„Das wird ein richtiger Change, das weißt du, ja?“ Ich schaue mein Spiegelbild an und nicke entschlossen. Ja. Ich will das wirklich. Ich will zum ersten Mal in meinem Leben so richtig als Blondine unterwegs sein. Seit ich denken kann, hatte ich immer mehr oder weniger die gleiche Haarfarbe: Braun. Mal mit ein paar Highlights, und mit 15 Jahren hatte ich schon mal eine ganze Menge Strähnen. So richtig 2000er-Style. Damals hat das aber nicht lange gehalten – mit 15 ändert man halt nicht nur seinen Jungsgeschmack täglich, sondern auch den Hairstyle. Danach ging es wieder dunkel weiter und weil ich die Vorstellung, dass meine nächste Haarfarbe so was wie ‚grauweiß’ wird, dann doch eher deprimierend finde, ist jetzt blond dran.

Deshalb saß ich von ein paar Wochen hier zum ersten Mal bei MOIJ, meinem Hamburger Lieblings-Friseursalon, der gerade erst fett bei den German Hairdressing Awards abgeräumt hat – unter anderem in der Kategorie ‚Colorist of the Year‚ – und führte ein Vorgespräch mit Jana, der Inhaberin des Salons. Ihr erzählte ich, dass bei meiner Naturhaarfarbe und mir ein bisschen die Luft raus sei, und wir einfach mal eine Pause voneinander bräuchten. „Okay, machen wir. Aber lass es dir gesagt sein: Man wird nicht einfach blond, und damit ist alles getan“, warnte mich Jana vor. „Du musst auch deine Hausaufgaben machen.“ Ein Blaushampoo, das gegen den Gelbstich ankämpft, heißt das in meinem Fall und jede Menge Pflege. „Und du musst viel Zeit einplanen“, warnte mich Jana vor. Von braun auf blond zu gehen, ist ein echter Akt. Mindestens fünf Stunden sollte ich dafür einplanen.

Das habe ich, als ich am Freitagvormittag bei MOIJ sitze, und sich Coloristin Shadi meine Haare gründlich anguckt. Meinem Wunsch nach einem kühlen, silbrigen Blond, mag sie nicht nachgehen. „Dafür bist du ein viel zu warmer Typ“, sagt sie mir. Schade, aber wenn Shadi das sagt, dann will ich das mal glauben. Dass Friseure und Stylistin, die hier arbeiten, alle ziemlich stylische Haarschnitte und -farben auf dem Kopf tragen, macht es mir relativ leicht, Shadi gleich zu vertrauen.

Die Bestandsaufnahme meiner Haare dauert fast eine halbe Stunde, denn Shadi und ihre Kollegen nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Wenn man zu Beginn nicht weiß, was mit den Haaren schon gemacht wurde, kann es zu bösen Überraschungen kommen, erzählt mir Shadi, deshalb klärt sie vorab, ob die Haare schon mal bearbeitet wurden.

Dann wird’s ernst. Während ich gut versorgt mit Cappuccino und Wasser in meiner Zeitschrift blättere, pinselt Shadi konzentriert eine Balayage in meine Haare. „Du hast echt viele Haare“, stellt sie fest als sie das vierte Mal Blondierung anrühren muss.

Nach gut vier Stunden (die erstaunlich schnell vergehen, Gala, Bunte und InStyle sei Dank) wird die Blondierung wieder ausgewaschen. „Jetzt keinen Schrecken kriegen“, warnt mich Shadi vor. Meine Haare sind ziemlich gelb; mein Spiegelbild erinnert ein bisschen an Bill Kaulitz nach seinem Umstyling. „Das ist nur der erste Step. Die eigentliche Farbrichtung verändern wir mit einem Toner“, beruhigt mich Shadi. Dieser endgültige Blondtonder zu mir und meiner Haut passt, wird wie eine Farbe aufgetragen. Und tatsächlich: eine Stunde und einen Haarschnitt später ist mein Haar genauso blond-blond anders wie ich es mir vorgestellt habe.

Fast sechs Stunden saß ich insgesamt nun bei MOIJ und hatte dabei Shadis ungeteilte Aufmerksamkeit. Dafür ist der Preis wirklich fair und gut bezahlbar, das Haar wurde nämlich nicht nur in einem Schritt blondiert, sondern in mehreren Arbeitschritten liebevoll bearbeitet bis es genau so war, wie ich es haben wollte.

Vorher - nachher

Vorher – nachher

„Mega gut“, lobt mich auch schon meine erste Freundin per WhatsApp und sogar meine Rentner-Nachbarin, die sonst immer etwas streng ist, weil ich mein Fahrrad nicht ordnungsgemäß in den Keller stelle, komplimentiert mich beim Hereinkommen. Hat sich doch gelohnt, mutig zu sein!

Heute, zwei Wochen später, kamen noch jede Menge lobende Kommentare hinzu und ich habe mich an mein neues Spiegelbild gewöhnt. Von braun auf blond – das ist nicht einfach nur ein bisschen ‚Farbe‘. Ich bin jetzt wirklich ein ganz anderer Typ. So wie ich es wollte. Morgens brauche ich weniger lange, weil ich mich kaum noch schminken muss. Dadurch, dass meine Haare jetzt so hell sind, fallen meine Augen genug auf und mein Teint wirkt viel frischer. „So, als seist du gerade im Urlaub gewesen“, wie meine Ex-Kollegin heute Morgen im Café zu mir meinte. Meine Kleidung kann ich im Großen und Ganzen noch anziehen, was auch daran liegt, dass ich ohnehin viel Schwarz trage. Mit Rosa und Pink ist es da schon etwas schwieriger – viel zu püppchenhaft. Die Sachen lege ich erst mal nach hinten in den Schrank, für brünette Zeiten, die ja vielleicht irgendwann wieder folgen. Vorerst bleibe ich aber blond; im Winter finde ich es jetzt einfach super praktisch, weil man nicht so krank aussieht und ist doch auch mal schön, einen Grund zu haben, regelmäßig beim Friseur reinzuschauen.

Was ich beim Friseur gelernt habe:

Blond wird man nicht mal eben einfach so. Bei mir hat die Prozedur fast sechs Stunden gedauert und bestand aus verschiedenen Steps: erst ein Vorgespräch, indem ich genau sagen konnte, was ich für eine Farbe will, und diese anhand von Moods zeigen konnte, eine Blondierung, die Strähne für Strähne aufgetragen wurde, und der finale Anschliff mit einem Toner, das später auf die Haare kam und das Blond erst so richtig definiert hat. Für die Heimanwendung benötige ich jetzt ein pigmentiertes Shampoo um den Blondton frisch zu erhalten und eine intensive Haarmaske. Denn blondes Haar sieht nur gepflegt toll aus. Aber wie bei allem im Leben gilt auch hier: Aller Anfang ist schwer und ist die Grundlage erst mal geschafft, geht es beim nächsten Mal, wenn die Ansätze gefärbt werden, viel schneller und einfacher. Und selbst wenn nicht; gegen eine so kleine Auszeit vom Alltag bei MOIJ habe ich eh nichts einzuwenden 🙂

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit dem Friseursalon MOIJ.

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