Alt werden kann ganz schön Angst machen. Ich denke da nur an meinen Opa, der mit einer Hirnblutung wochenlang im Krankenhaus künstlich am Leben gehalten wurde und von manchen Familienmitgliedern nicht ein einziges Mal besucht wurde. Oder all die Menschen, die im Altersheim sitzen und nach und nach völlig vergessen, wer sie eigentlich sind.

Ja, altern kann echt deprimieren, und auch wenn wir uns alle ein langes Leben für uns wünschen, will wohl keiner so wirklich gern alt sein. Wer weiß, wie man sich dann fühlt, ob man vielleicht sogar selbst einer dieser mürrischen Alten wird, die verbittert auf die Jugend von heute gucken – das kann einem vorher ja keiner sagen.

Diese Gedanken hatte auch Filmemacherin Janina Rasch, als sie beschloss, einen Film über das Altern zu drehen. Eine konkrete Idee hatte sie noch nicht im Kopf; irgendetwas mit alten Menschen, irgendetwas Positives, etwas Neues.

“Ich glaube, ich war etwas auf der Suche,“ erzählt mir Janina am Telefon, “die Idee kam mir, kurz bevor ich 30 wurde und bei mir sehr viel im Umbruch war. Ich habe mich damals gefragt, wo ich hinwill, wer ich später sein will und dachte, es könnte eine gute Idee sein, dafür Menschen zu treffen, die da Ganze schon durchgemacht haben.“

Von einem Freund erfuhr sie schließlich von ‘Faltenrock‘, einer Tanzreihe in Hamburg, in der sich Menschen über 60 regelmäßig zum Tanzen, Feiern und Spaß haben, verabreden. Die Party für Rentner findet jeden letzten Sonntag im Monat in der Jupi-Bar in St. Pauli sowie im Hamburger Nochtspeicher statt.

„Ich war nicht die Einzige, die von ‘Faltenrock‘ gehört hatte“, berichtet Janina, “so habe ich auch meine Filmpartnerin Leonie Kock kennengelernt.“ Zusammen begleiteten die beiden jungen Filmemacherinnen die ‘Faltenrock‘-Rentner zu ihren Parties.

“Anfangs waren die Rentnerinnen noch etwas kritisch“, erzählt Janina, “gerade die Frauen gehen auch feiern, weil sie Männer kennenlernen wollen. Da haben wir wahrscheinlich etwas gestört.“ Nachdem dann aber geklärt war, dass Janina und Leonie wirklich nur filmen wollen, war ihre Anwesenheit kein Problem mehr.

“Insgesamt haben wir über zwei Jahre lang Filmmaterial gesammelt“, sagt Janina. Dabei fand Janina auch Antworten auf die Fragen, die sie ursprünglich zu dem Projekt motiviert hatten.

“Ich weiß jetzt ganz genau, was mir persönlich für das Alter wichtig ist. Ich will nicht sarkastisch werden, dass war keiner der Rentner, die ich getroffen habe. Die waren durchweg positiv und hatten durch ihre Tanzreihe etwas, worauf sie sich immer freuen können.“

Sogar als eine der Protagonistinnen sich während des Drehs Knie und Handgelenk brach und eine Zeit lang im Rollstuhl sitzen musste, war die Rentnerin weiter positiv, wie Janina berichtet. “Sie hat sich nicht hängen lassen. Ihr Ziel war es, wieder zum nächsten ‚Faltenrock‘ zu kommen, und dieser Wunsch hat sie schnell wieder auf die Beine gebracht.“ Inzwischen rockt die Rentnerin wieder die ‘Faltenrock‘-Parties.

“Ich glaube, das ist der Schlüssel zum Glück im Alter“, sagt Janina, “bleib in Bewegung, auch im übertragenen Sinn, geh unter Menschen, brich den Kontakt zur Jugend nicht ab und sei nicht allein.“

Diese Erkenntnis und alle anderen Eindrücke, die Janina und Leonie während ihrer Filmarbeiten sammelten, soll jetzt in einem unabhängigen Dokumentarfilm vermittelt werden. Gut zwei Wochen könnt ihr das Projekt noch per Crowdfunding unterstützen und, wenn alles klappt, euch dann von ihrem Film die Angst vor dem Alter nehmen lassen.