2008, als ich anfing zu studieren, hatte ich im ersten Semester eigentlich noch Kunst…. Tja, und dann fing das Kunststudium an und war mit seinen wöchentlichen Präsentationen, Architektur-Vorlesungen und einem Aktzeichnen-Dozenten, der mir zynisch nahe legte, man könne auch direkt Illustration studieren, wenn man ohnehin nur Gesichter zeichnen wolle, nicht ganz so inspirierend, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mich regelmäßig hinzusetzen und Bilder auf Knopfdruck zu produzieren stresste mich mehr als dass es noch Spaß machte, und so wechselte ich als überzeugte Hedonistin das Studienfach und fasste erst mal keinen Pinsel mehr an.

Bis ich vor zwei Wochen eine Einladung zur ‚ArtNight‚ bekam. Bei ‚ArtNight‚ finden sich Hobbykünstler, und solche, die es mal werden wollen, in Großstadt-Bars, -Restaurants und Co. zusammen und sind gemeinsam kreativ. Auf der Website des Berliner Start-ups, das aus „Die Höhle der Löwen“ bekannt ist, kann man in Städten wie München, Berlin und Hamburg aus verschiedenen Motiven sein Wunschmotiv wählen, das man zusammen mit rund 30 anderen Teilnehmern zu einem festen Termin unter der Anleitung von echten Künstlern nachmalt. Mein Plan war, am vergangen Sonntag endlich mal wieder einen Pinsel in die Hand zu nehmen und im Barmbeker Quartier 21 an einer Frida-Collage zu malen.

„Mit Frida als Muse kann ja gar nichts schlief gehen.“ Das dachte ich, aber weil im Leben und bei mir aber immer alles anders kommt als man denkt, ganz besonders in Bezug auf die Kunst (*hust*), lag ich Sonntag um 11 Uhr hustend, erkältet und zugegeben auch etwas verkatert im Bett und es musste ein Alternativplan her. Wenn schon nicht ich gehen konnte, dann doch bitte Dandy, Vorzeige-Ehemann und Schöngeist Philipp Schneidewind, der sich von Kunst, Frida und Frauenbewegung nicht so schnell einschüchtern ließ und die Spontan-Einladung relativ freudig annahm.

Was ihm bei seiner ‚ArtNight‘ zuerst auffiel? Dass diese Art von künstlerischem Freizeiterlebnis bisher leider vor allem in der Frauenwelt angekommen ist. Mag sein, dass Frida als feministische Leitfigur die Hamburger Männer ein bisschen eingeschüchtert hat. Oder, dass manche Männer grundsätzlich Angst vor Gruppenerlebnissen und dem inneren Künstler in sich haben, oder es ist alles ganz anders und wir Frauen haben den Knacks, dass wir ständig neue Hobbys anfangen wollen. Whatever… Philipp war zusammen mit einem Sechzehnjährigen, der seine Mutter begleitete und einem „anmotivierten Ehemann, der wohl seine enthusiastische Frau mitgezerrt worden war“ jedenfalls so ziemlich der einzige Hahn im Korb (was allerdings nicht sooo schlimm gewesen sein dürfte!).

Philipp erzählte mir: „Wir haben am Anfang alle eine Vorlage der Frida-Collage – die übrigens Salma Hayek in ihrer Rolle als Frida zeigt – bekommen, die wir uns als Motiv ausgesucht hatten. Man konnte die Vorlage dann entweder abpausen und nachzeichnen, oder auf das Bild kleben. Ich habe meine Vorlage geklebt. Danach haben wir mit Acrylfarbe die Konturen nachgemalt und angefangen, die Frida nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.“

Schon während Philipp und die anderen an ihren Kunstwerken arbeiteten, zeichnete sich ab, was für unterschiedliche Ergebnisse man mit einem und demselben Motiv erzielen kann. Ganz gemäß den Gesetzen der künstlerischen Freiheit entstanden so während des zweistündigen Nachmittags im Quartier 21 diverse Fridas mit den verschiedensten Arten von Blumenkränzen auf dem Kopf, Frida mit gezupften Augenbrauen, eine Frida mit Hut und eine als Kuh getarnte Frida. (Dabei dachte ich bisher, Frida Kahlo hätte sich selbst schon in jeder denkbaren Variante gemalt…)

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Das Event hat rund zwei bis drei Stunden gedauert und war mal eine ganz andere Sonntagsbeschäftigung als sonst. 

Philipp: „Ich war echt erstaunt, wie unterschiedlich die Bilder am Ende aussahen – dabei haben wir ja alle mit derselben Vorlage gestartet.“

Eine ArtNight kostet 34 Euro. Darin enthalten sind Materialien, rund zwei Stunden Malen unter Anleitung mit neuen Leuten und – wenn es gut läuft – ein Bild, das so einzigartig ist wie sein Künstler, und das man sich am Ende tatsächlich gern an die Wand hängt.