Wer mich kennt, weiß, dass ich eine waschechte Chaotin bin. Eine meiner Freundinnen schenkte mir deshalb früher zum 18. Geburtstag ein Buch mit dem so eindeutigen Titel „Die Fettnäpfchen-Expertin, eine andere Freundin setzte mich beim weihnachtlichen Raclette-Essen abgesondert an das Tischende, wo ich „am wenigsten Schaden“ anrichten konnte, und mein Freund fragte mich, nachdem er Weihnachten zum ersten Mal dazu gezwungen wurde, „Bridget Jones“ zu gucken, ob ich mir „Bridget“ eigentlich als nicht so weitsichtiger Teenager zum Vorbild genommen hätte. So nach dem Motto: „Hach, so anstrengend und chaotisch wie die will ich auch sein.“

Leider habe ich das nicht und mir passieren alle Pannen – Schlüssel in den Gulli werfen, Zange in den Hausmeister-Briefkasten fallen lassen, Fahrradschloss anschließen, ohne das Rad dabei mit anzuschließen, EC-Karte beim Joggen verlieren – unabsichtlich und so kann ich die Dummheiten, die mir passieren auch nicht wirklich steuern. Was ich dagegen kann: darüber lachen und alles nicht so ernst nehmen. Wobei man auch noch mehr dagegen tun kann, wie mir Mental Coach Stephanie Ernst verraten hat. Ihr habe ich mein Leid über mein tägliches Chaos geklagt.

„Man muss da unterscheiden zwischen echtem Pech und Unkonzentriertheit„, beruhigt mich Stephanie Ernst erst einmal. „Wenn einem der Schlüssel herunterfällt und dann direkt im Gulli landet, kann man da ja gar nicht viel für. Das ist dann dumm gelaufen. Man sollte dich nur, wenn so etwas vermehrt auftritt fragen, wieso einem ständig Dinge herunterfallen. Dann liegt der Verdacht nahe, dass man gedanklich nicht ganz bei der Sache ist.“

Die Therapeutin erklärt mir weiter, dass das menschliche Hirn ähnlich wie ein Elektroauto funktioniert. Wenn man zu wenig zu tun hat und sich gar nicht bewegt, kommt das Auto nicht  in die Gänge. Bewegt man sich dagegen ständig und ist man schon gedanklich immer einen Schritt weiter, wird das Auto aus der Bahn geworfen und es passieren einem besagte Pannen, wie den Schlüssel in den Gulli zu werfen oder das Fahrrad zum Diebstahl freizugeben.

„Es ist auch großer Quatsch, dass wir Frauen so multitasking sind“, sagt Stephanie ernst. „Kein Mensch ist multitaskingfähig. Zu viele unsortierte Gedanken führen zu Chaos.“
Stephanie Ernst rät deshalb, immer erst eine Sache abzuschließen, ehe man die nächste anfängt. Neben diesem Tipp helfen mir auch diese 6 Dinge. Euch auch?

Mit diesen 7 Tipps passieren euch garantiert weniger Pannen:

1. Bringt Sachen, die ihr angefangen habt, auch zu Ende

Was so einfach klingt, fällt chaotischen Menschen oft wahnsinnig schwer. Wenn ich an meinem Computer sitze, sind in der Regeln 5-12 Tabs gleichzeitig geöffnet und es kommt sogar vor, dass ich an mehreren Artikeln gleichzeitig schreibe. Dass einen eine so unstruktrurierte Arbeitsweise nur noch wirrer im Kopf macht, sollte klar sein. Deshalb: Erst eine Aufgabe beenden, dann die nächste anfangen. Und falls ihr, während man gerade dabei ist, Aufgabe 1 zu erledigen, von 20 neuen Gedanken, die gleichzeitig aufploppen, genervt wird – einfach schnell eine Notiz schreiben, weitermachen und sich nicht beirren lassen

2. Schreibt es auf

Überhaupt sind Notizen, To-Do-listen und Post-its Lebensretter, für alle, die immer zu viel auf einmal machen. So geht nichts verloren und wenn man sich mal wieder fragt, was man da noch mal vergessen hat, hilft ein kurzer Blick auf den Notizblock.

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Klassiker

3. Aufgaben sofort erledigen

Das größte Chaos bricht bei mir immer aus, wenn ich im Hinterkopf ganz genau weiß, dass ich wieder mal eine To-Do-Liste mit zehn unliebsamen Punkten abarbeiten muss: neuen Ausweis beantragen, zur Post, neue Schlüssel machen lassen. Ihr wisst schon, der ganze Nervkram, den man auf die ohnehin schon voll gepackte Arbeitswoche echt nicht gebrauchen kann. Damit die Liste gar nicht erst so lang wird, hilft es, Dinge am besten sofort zu erledigen. Ja, auch die unspaßigen Sachen und auch, wenn einen die Muße nicht gerade geküsst hat. Was erledigt ist, ist erst mal raus aus dem Kopf.

...beste Freunde der Welt.

…beste Freunde der Welt.

4. Ist der Akku leer, ist der Akku leer

Mir fällt es manchmal schwer, mir einzugestehen, wann genug ist: Morgens 10 Kilometer laufen, 8 Stunden arbeiten, dann noch ein Interviewtermin oder eine PR-Veranstaltung. Schaffe ich da abends nicht vorm Fernseher noch ein bisschen die Steuererklärung zu machen? Und meine Nachbarin wollte ich doch auch endlich mal wieder treffen. STOPP. Der Tag hat nur 24 Stunden und diese bis zur letzten Sekunde, bevor man endlich mal ins Bett fallen darf, mit Aktivitäten zu füllen, endet nur im Stress. Mal abgesehen davon, dass man, wenn man sich so mit Aktivitäten zumüllt, diese objektiv gar nicht mehr genießen kann. Geschweige denn, dass da auch nur annähernd etwas Produktives bei rumkommt, wenn man übermüdet und ausgelaugt versucht zu arbeiten.

5. Pausen einplanen

Zwischen Terminen immer eine Pause legen. Auch wenn die „Termine“ nur so etwas wie Kaffeetrinken mit der Freundin oder der Gang zur Post sind. Einmal kurz durchatmen ist nie verkehrt. Dadurch steigt die Konzentration und man fühlt sich erfrischt. Auch Essenspausen sind wichtig und bringen neue Kraft. Schlingen am Arbeitsplatz finde ich absolut unerholsam.

6. Feste Plätze für alles

Ich gehöre – wie sollte es anders sein – zu den Menschen, die regelmäßig alles verlegen. Schlüssel, Ausweis, Ring, Lieblingsjacke – habe ich alles schon verloren. Was dagegen hilft, sind feste Plätze zur Aufbewahrung.

7. Handy lautlos schalten

Whatsapp, Facebook und Instagram machen nervös. Es kann deshalb eine echte Wohltat sein, das Handy ein paar Mal am Tag einfach auf Flugmodus zu stellen

PS: Für alle Menschen, die zur eher unentspannten Sorte gehören, gibt Stephanie Ernst zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Christina Linke, regelmäßig Anti-Stress-Seminare. Das nächste findet am 05. September in Hamburg statt.