Letzte Woche hatte ich einen Autounfall. Nichts wirklich Schlimmes zum Glück, außer ein Haufen Blech, der dabei zu Schaden kam, den man aber gern in Kauf nimmt, wenn einem dafür etwas anderes klar wird:

1. Autofahren und ich – das ist keine gute Kombi. Eigentlich hätte mir das schon klar werden sollen, als ich meine 65. (in Worten: fünfundsechzig!) Fahrstunde mit dem Führerschein abgeschlossen habe und nur ein paar Monate nach Erhalt mein eigenes Fahrrad, das an einem Pfeiler angeschlossen war, beim seitlichen Einparken anfuhr. So viel dazu.

2. Erkenntnis: auch wenn es schön ist, viel zu erleben und man dabei Dinge tut, die einem Spaß bringen, sollte man nicht immer so viel Leben wie möglich in den Tag quetschen, sondern sich auch mal ein, zwei Stunden Ruhe zwischendurch gönnen.

Der Tag, an dem mein treues, nach Rudi stinkendes Auto und mobiler Kleiderschrank-Ersatz endgültig zu einem Haufen Schrott wurde, war wieder mal einer dieser Tage, an denen ich so viel wie nur möglich schaffen wollte. Arbeiten, natürlich, danach endlich mal wieder meine geliebte Freundin und ihr Baby treffen, mit Rudi gehen, dann zu einem
Interview, alles zack zack zack durchgetaktet. Die einzige Verschnaufpause zwischendurch sollte die Fahrt im Auto sein, doch dann kam ein ziemlich krasser Regenguss und ich war mit meinen Gedanken schon wieder zwei Schritte weiter.

Mehr genießen, weniger hetzen.

Mehr genießen, weniger hetzen.

Ich kann für den (zum Glück glimpflichen) Unfall niemandem die Schuld geben, außer mir selbst. Dafür, dass ich mir wieder mal viel zu viel aufgehalst habe. Ich glaube, ich bin damit heutzutage leider nicht ganz allein. In einer Zeit, in der alles immer schneller, kurzlebiger, mobiler wird, machen wir selten nur noch eine Sache gleichzeitig.
Während wir auf dem Weg zur Arbeit sind, gibt es per Whatsapp eine Sprachnachricht, im Auto das Frühstücksbrötchen auf die Hand. Während wir an unserem PC arbeiten, haben wir gleichzeitig zwei Spiegel Artikel geöffnet, plus Wikipedia, einen Artikel mit all den Fremdwörtern, die wir nicht verstanden haben, und der heimliche Facebook-Chat im Hintergrund. Schnell schnell, alles am besten parallel, sofort und bloß keine Zeit verlieren. Am Ende hat man dann zwar alles ein bisschen gemacht, aber nichts so richtig.

Ich kann zum Beispiel gar nicht mehr zählen, wie oft es mir schon passiert ist, dass ich mich um eine halbe Stunde verspätet habe, weil ich direkt nach einem Arzttermin/nach der Arbeit/nach dem Fitnesskurs bei meinem besten Freund vorbeigefahren bin, der mich endlich wiedersehen wollte, ich aber den Stau im Feierabendverkehr nicht eingeplant habe. Am Ende hatten weder besagter Freund noch ich wirklich viel von dem Treffen.

Deshalb:Weniger WhatsApp in der Bahn, weniger Sprachnachrichten auf dem Weg zur Arbeit, weniger Essen auf die Hand und Coffee to go… In Zukunft plane ich auch mal Pausen ein, in denen ich einfach mal NICHTS tun werde. Kein Punkt auf der To-Do-Liste, weder eine (sei sie noch so schöne) Freizeitverabredung, noch Sport noch Berufliches. Die Zeit, in der wir nichts tun, ist nämlich keine verlorene Zeit – ganz im Gegenteil. Das weiß jeder, der beim Yoga schon mal im Savasana weggeträumt ist.

Tue alle Dinge schön!

Man sollte den Dingen, die man tut, auch die gebührende Aufmerksamkeit widmen. Das Leben ist nicht mehr gelebt, nur weil man so viele Termine wie möglich in nur einen Tag quetscht. Das Leben ist dann lebendig, wenn man jeden Moment bewusst wahrnimmt, was aber ganz bestimmt nicht möglich ist, wenn man zehn Dinge gleichzeitig tut und im Kopf schon bei der nächsten Sache ist.