Neulich Abend war ich auf einem Shoppingevent von Très Click und dem Schmucklabel Stella & Dot. Für alle, die die Marke nicht kennen; man muss sich das Ganze ein bisschen wie Tupper für Schmuck (und in cool) vorstellen. Es gibt eine Gastgeberin, die shoppingfreudige Frauen zu sich nach Hause einlädt und zusammen guckt man sich dann die neuesten Teile der Marke an, bekommt von einer Stylistin Tipps und kann am Ende, wenn man mag, sich an Ohrringen, Ketten und Co. pleite shoppen.

Wenn man nicht schon pleite ist, was bei mir den Abend ganz latent der Fall war und so schaute ich mir den Schmuck lieber gar nicht erst allzu lange an (Suchtpotenzial). Dabei fiel mir umso mehr auf, in was für einer wahnsinnig schönen Wohnung wir uns hier überhaupt befanden: ein elendig langer Flur, Dielenboden, hohe Decken mit Stuck und alles dekoriert mit den schönsten Dekoaccessoires, die bis auf das letzte Detail perfekt auf die hellen Räume abgestimmt waren.

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„Meinst du, man muss so wohnen, um Gastgeberin zu werden?“ raunte ich meiner Freundin, die mich den Abend begleitet hatte, zu. Falls ja, könnten wir beide wohl eher kein Geld damit verdienen. Ohne jetzt unsere Wohnungen großartig runtermachen zu wollen, aber bisher lag mein Fokus bisher leider mehr auf Taschen als auf Vitra-Stühlen. Wären wir weniger Menschen, die sich für Andere und ihren Geschmack freuen können, wären wir wohl ziemlich missgünstig gewesen. So standen wir aber nur begeistert und ziemlich imponiert im Flur und versuchten DAS perfekte Bild von unseren zwei Champagnergläsern und dem marmornen Flurtisch zu machen, als die Gastgeberin um die Ecke kam.

Um überhaupt irgendetwas zu sagen, weil wir uns gerade ziemlich blöde und Instagram-Viccim-mäßig-ertappt vorkamen, sagten Mirja und ich: „Das ist eine echt schöne Wohnung.“ Unsere Gastgeberin strahlte uns zur Antwort freudig an. „Findet ihr?“, fragte sie und für einen kurzen Moment dachte ich fast, sie wolle uns auf den Arm nehmen. Eigentlich hätte ich nämlich gedacht, diesen Satz würde so ziemlich jeder, der jemals bei ihr zu Besuch in der Wohnung stand, gesagt haben. Wahrscheinlich hatte es aber tatsächlich niemand getan, genauso wenig wie wir etwas getan hätten, wären wir nicht beim Fotos machen „ertappt“ worden. Wieso tun wir uns eigentlich so schwer damit, Komplimente zu verteilen, wenn wir uns selbst freuen, welche zu hören?

Trotzdem bekommt man auf alle paar Jahre mal „Dein neuer Sweater ist echt cool“ im Erwachsenenalter kaum noch etwas Nettes zu hören (mal ganz abgesehen von Männern, die einen gerade aufreißen wollen und dann gern schon eine Spur zu dick auftragen). Dabei hat doch alles mal so gut angefangen: Als Kind wird man mit Komplimenten, Lob und Anerkennung geradezu überschüttet. „Du kannst aber toll sprechen“, und „Hui, du kannst ja schon ganz allein schaukeln“, später in der Schule bekommt man dann von der Lehrerin Sternchen und Blumen ins Heft gezeichnet, wenn man eine Sache besonders gut gemacht hat. Und die besten Freundinnen erzählen einem regelmäßig, was man für schöne Haare hat.

Später bekommen wir nur noch selten zu hören, wenn wir etwas gut gemacht haben, oder uns anderweitig ein kleines bisschen Bewunderung mal verdient hätten. Viele Menschen arbeiten im Job munter eine Aufgabe nach der nächsten ab, ohne zwischendurch auch nur ein müdes Feedback zu bekommen (an dieser Stelle DANKE, an meine bisherigen Chefinnen und Chefs, dass ihr nicht so seid). Lob gibt es, wenn überhaupt, erst im nächsten Mitarbeitergespräch. Und auch da fällt es eher knapp aus, schließlich will man ja niemanden zu sehr damit verwöhnen.

Wen wundert es da, dass wir heutzutage in Netzwerken wie Facebook und Instagram immer aktiver werden. Da kriegt man immerhin ein ‚Gefällt mir‘ per Klick. Schade nur, dass das weniger authentisch wirkt und nur selten ein Gespräch eröffnet.

Vielleicht sollte man das im Hinterkopf behalten, wenn man das nächste Mal an jemanden mit einem echt schönen Lächeln vorbeigeht, die Kollegin einen klasse Artikel geschrieben hat, oder die Nachbarin in einer ziemlich nicen Jeans an uns vorbei geht.

Ein bisschen mehr Alltagsfreundlichkeit könnten wir alle vertragen. Dann würden wir wahrscheinlich seltener dabei erwischt werden, wie wir im Real Life versuchen, das perfekte Foto von einem Marmortisch, der gar nicht unserer ist, zu knipsen.