Es war einmal vor langer Zeit, in einem nicht so fernen Ort: Eine Schule, nur 500 Meter von meinem Zuhause entfernt, in die musste ich gehen, um all meine Freunde zu treffen. Und auch wenn ich die Schule nie besonders mochte, und mir schon damals klar war, dass die Leute mit ihrem„Irgendwann wirst du noch mal sehnsüchtig daran zurückdenken“ nie recht haben würden, hatte die Schulzeit unbestreitbarerweise einen Riesen-Vorteil: Damals waren alle guten Freunde maximal eine Busfahrt von zehn Minuten vom eigenen Zuhause entfernt. Heute haben sich alle munter auf der Welt verteilt, neue Freunde sind hinzugekommen, manche wieder aus meinem Leben verschwunden.

Umso beachtlicher finde ich es, dass meine Freundin Lauri und ich es seit inzwischen knapp 20 Jahren schaffen, unsere Freundschaft zu pflegen, obwohl wir nach der Schule straight getrennte Wege gingen: Lauri zog es als Au-pair-Mädchen nach Detroit, mich nach Nantes, danach studierten wir in unterschiedlichen Orten, sodass zwischen uns immer mindestens 500 Kilometer lagen. Je nach Auslandsaufenthalt sogar mehr. Seit sechs Jahren lebt Lauri jetzt in München – am anderen Ende von Deutschland – und trotzdem sind wir immer noch „verliebt“ wie am ersten Tag. Ich freue mich immer noch jedes Mal so sehr sie zu sehen, wie damals, als wir in der fünften Klassen in unseren Jeanslatzhosen nebeneinandersaßen und uns Zettelchen zusteckten, mit denen wir uns gegenseitig vom Unterricht ablenkten. Klar, die Zettelchen wurden mittlerweile ersetzt durch WhatsApp-Nachrichten (mit denen wir uns heute gegenseitig von der Arbeit ablenken), aber ansonsten ist alles ganz beim Alten geblieben. Beste Voraussetzung für weitere 20 bis 60 zusammen Pferde stehlen und Geheimnisse behalten.

Fernfreundschaft: So klappt die Freundschaft auf Distanz

1. Keep you updated

Ich weiß, WhatsApp kann furchtbar nervös machen, wenn den ganzen Tag wieder mal eine Nachricht aufploppt. Trotzdem, so ein paar Random-Nachrichten müssen sein. Lauri und ich schreiben uns jeden Tag – und wenn es nur ein kurzes Selfie vom Weg zur Arbeit. So haben wir das Gefühl, am Leben der Anderen teilzunehmen und müssen nie lange ausschweifen und rumerklären, wenn wir telefonieren oder uns wieder persönlich sehen.

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2. Make memories

Das Besondere an Freundschaften? Ganz klar, die Erinnerungen, die man teilt. Damit diese nicht 100 Jahre alt sind und wir immer nur in der Vergangenheit leben müssen, sorgen Lauri und ich dafür, dass immer wieder neue Erinnerungen hinzukommen. Seit wir vor 10,5 Jahren Abi gemacht haben und unsere Wege sich trennten, haben wir immer einen gemeinsamen Sommerurlaub gemacht. Mal in Dublin, mal in Cannes oder mal in Portugal und ich habe Lauri, die während ihres ‚International Business‘-Studiums mehrere Auslandssemester hatte, immer bei sich Zuhause besucht. Seit 6 Jahren lebt Lauri jetzt in München und so ist auch ein Trip nach München ein Mal im Jahr Pflicht.

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3. Keep Memories

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – und wenn sie dabei helfen, gemeinsame Erlebnisse in guter Erinnerung zu behalten, umso besser! Lauri und ich schenken uns seit JAHREN jedes Jahr zu Weihnachten ein Fotoalbum mit unserem gemeinsamen Jahr. Das haben wir schon in der zehnten Klasse gemacht, damals mit selbst gezeichneten Comics von den ersten Partys, die wir zusammen gefeiert haben, heute mit Fotos von unserer letzten Reise und den Highlights des Jahres – die dämlichsten Tinder-Nachrichten, schlechtesten Dates und wichtigsten Ereignisse in unserem Leben. So ein persönliches Geschenk verbindet und in zehn Jahren hat man ordentlich etwas zu lachen, wenn man die Alben gemeinsam durchblättert.

Lissabon 2015

Lissabon 2015

4. Streitet euch

Manchmal tun auch beste Freunde etwas, was einen nervt. Gerade, wenn man sich nicht so häufig sieht, können sich Kleinigkeiten zu einem richtigen Problem entwickeln, wenn man nicht darüber redet. Sagt deshalb immer, wenn euch etwas stört. Das können auch so kleine Dinge sein, wie dass die Freundin immer zu spät kommt (ich), oder dass die Freundin im Urlaub den Flurboden als Kleiderschrank benutzt (Lauri). Bessrr jetzt kurz streiten, als später einen Monat lang schmollend herumzulaufen.

5. Geht Kompromisse ein

Lauri und ich sind, obwohl wir so gut befreundet sind, ziemlich unterschiedlich: Das fängt bei Schlafgewohnheiten an (ich wache im Urlaub immer viel früher auf) und hört beim Film- und Seriengeschmack auf (wer bitte, guckt ‚Gilmore Girls‘?!). Wie in einer Beziehung muss man da Kompromisse finden und es ist auch ein bisschen ‚Arbeit‘ befreundet zu bleiben: Wer gute Freunde haben will, muss selbst ein guter Freund sein. Im Urlaub haben Laura und ich deshalb immer jeder unser eigenes Zimmer, damit ich morgens schon mal allein laufen gehen und laut sein kann, und als wir letztes Wochenende zusammen auf einer Party in München waren, habe ich eine ganze Weile auf dem Balkon gestanden, während Lauri im Wohzimmer herumtanzte. Am Ende zählt ja doch nur, dass man wieder den gemeinsamen Weg nach Hause findet.

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