Ich bin nicht sonderlich politisch. Das habe ich während des G20-Gipfels, als hier in Hamburg, nur ein paar Straßen unweit meiner Wohnung, die Welt halb unterging, wieder einmal bemerkt. Klar gehe ich wählen und habe meine eigene Meinung, aber das war es dann auch schon. Ich mag keine Extreme, keine Gruppierungen, keine Generalisierungen und denke, dass die Welt ein großes Stück besser wäre, wenn jeder Mensch erst mal anfangen würde, in seinem eigenen, kleinen Mikrokosmos Liebe und Freude zu teilen, Gutes zu tun und Dinge zu bewegen, ehe er sich laut pöbelnd oder palavernd (auch nicht viel besser) an das große Ganze heranwagt.

Ich bin deshalb ein großer Fan der Initiative „17 Ziele“ der Agenda 2030, die von der UN für eine nachhaltige Entwicklung bestimmt wurden und die jeder, wirklich jeder, in sein Leben integrieren und umsetzen kann. Die 17 Ziele, die sich in die Bereiche „Soziales, Umwelt und Wirtschaft“ einteilen lassen, beinhalten Dinge wie „kein Hunger“, „bezahlbare und saubere Energie“ oder „nachhaltiger Konsum und Produktion“. Zugegeben, das klingt auch alles erst mal sehr groß, sehr fern und sehr utopisch. Dass man selbst aber auch mit kleinen Schritten im eigenen, begrenzten Lebensraum etwas zum großen Ganzen besteuern kann, zeigt der Instagram-Account @17.ziele eindrucksvoll. Auf den Account machte mich neulich eine Bekannte, die an der ‚Hamburg Media School‘ studiert, aufmerksam. Ihre Hochschule hat sich als Semesterprojekt vorgenommen, die 17 Ziele bekannter zu machen (was ihnen bisher glaube ich ganz gut gelungen ist) und zeigt deshalb regelmäßig, welche Ziele sich Promis wie Jude Law, Sängerin Pink oder Schauspielerin Reese Witherspoon gesetzt haben.

Neben diesen prominenten Inspirationen für einen nachhaltigeren Lifestyle, verraten auch Influencer und Studenten der Hochschule, was sie tun, um die Welt ein Stückchen besser zu machen. Meine Bekannte Bella erzählt zum Beispiel, dass für sie #ziel13 – Maßnahmen zum Klimaschutz – besonders wichtig ist. Deshalb freut sie sich über biologisch abbaubare Pappbecher und fährt ausschließlich mit der Bahn von Hamburg nach München zu ihrem Freund runter. Finde ich sehr bemerkenswert, dass sie sozusagen drei Stunden, die man mit der Bahn länger unterwegs ist, als mit dem Flugzeug, der Fernbeziehung „opfert“.

Mein Lieblingsziel ist ganz klar das Ziel 16:  „Frieden und Gerechtigkeit“ . Dieses Ziel soll „eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen“. Klingt erst mal sehr utopisch, klar. Wenn Menschen es in rund 2,8 Millionen Jahren Bevölkerungsgeschichte nicht geschafft haben, friedlich und gerecht miteinander umzugehen, glaube ich kaum, dass es uns möglich ist, bis 2030 ein solches Ziel durchzusetzen. Nicht im großen Ganzen.

Aber im Kleinen, bei mir zu Hause in meinem gemütlichen, überschaubaren Mikrokosmos, kann ich dennoch damit anfangen: Indem ich gelassen bleibe, wenn mich Dinge ärgern, nicht zurück pöbele, wenn mich wieder mal ein aggressiver, gehetzter Radfahrer morgens auf dem Weg zur Arbeit schneidet und indem ich mich um die Menschen, die mir lieb sind, kümmere, für meine Freunde und meine Familie (plus Rudi) da bin, wenn sie mich brauchen, mich nicht zu wichtig nehme und nicht immer auf meine Meinung bestehe. Wenn wir alle damit anfangen, uns im Alltag zumindest ein kleines bisschen an den 17 Zielen zu orientieren, kann die Welt bis 2030 ganz bestimmt zu einem friedlicheren, gerechteren Ort werden – und das ohne viel lautes, „politisches“ Geschrei.