Wer schon mal ernsthaft darüber nachgedacht hat, sich einen Hund anzuschaffen, dem werden sie wahrscheinlich schon aufgefallen sein: Die gefühlt 2.000 Anzeigen bei ebay Kleinanzeigen und Co., in denen Hunde aus dem Ausland nach einem Zuhause suchen. Mir fielen diese Anzeigen zum ersten Mal 2009 auf – in dem Jahr starb Maxi, unser kleiner, schwarzer, verspielter Familienhund (und mein ziemlich bester Freund, mit dem ich den Großteil meiner Kindheit verbrachte und zusammen aufwuchs…). Meine Familie war damals erst mal wie gelähmt vor Trauer – für Menschen, die keinen Hund haben, klingt das immer komisch, aber so ein Tier ist wirklich ein Familienmitglied. Man nimmt ihn mit auf Schritt und Tritt und wenn es einem schlecht geht, spüren Hunde das sofort mit ihren sensiblen Fühlern und legen einem mitfühlend die Schanuze auf den Schoß. Deshalb dauerte es erst mal ein paar Monate bis meine Eltern wieder ernsthaft darüber nachdachten, sich einen Hund anzuschaffen.

Das Ergebnis dieser Überlegung nennt sich Fritzi, ist ca 40 cm groß, rotzfrech und kommt aus dem Tierheim. Wo Fritzi vorher gelebt hat, kann man nur vermuten. Im Tierheim sagten sie uns, vermutlich stamme er aus Polen. Es sei nämlich üblich, dass viele Hunde aus dem Ausland in deutschen Tierschutzorganisationen oder Tierheimen landen. Weil Hunde, Katzen und Co. in anderen europäischen Ländern nicht ihr ganzes Leben lang versorgt, sondern meistens schon nach wenigen Wochen oder Monaten eingeschläfert werden, holen Tierschützer die Tiere regelmäßig nach Deutschland. Natürlich können so nicht alle Tiere gerettet werden (das ist leider gar nicht möglich, so viele Straßenhunde gibt es in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Rumänien), aber immerhin ein Bruchteil der Tiere bekommt so die Chance auf ein neues, besseres Leben. Obwohl der – nennen wir es mal ‚Import‘ – dieser ausländischen Hunde, die dort in irgendeinem Tierheim schon auf der Todesliste sitzen, immer wieder in Kritik gerät (von wegen, es gibt ja ohnehin auch schon ‚deutsche‘ Hunde in deutschen Tierheimen, die dort auf eine Vermittlung warten…), finde ich persönlich es super, dass Tieren so geholfen wird. Als ich davon erfuhr dachte ich sofort: Das will ich auch machen!

Es hat dann doch noch zwei Jahre gedauert, ehe ich den ersten Pflegehund bei mir aufnahm. Ich fing ganz klein an, sozusagen ‚auf der Karriereleiter der Tierschützer von ganz, ganz unten‘. Als Flugpatin nahm ich mit meinem damaligen Freund einen kleinen Ratero von Mallorca aus mit. Wer nicht weiß, was ein ‚Flugpate‘ ist: Als Tourist in Ländern wie Griechenland, Spanien etc., wo die Hunde im Tierheim schon nach sechs bis acht Wochen eingeschläfert werden, kann man sich vor jedem Flug bei Portalen wie Flugpate.com anmelden und einen Hund oder eine Katze, die auf eine Vermittlung warten, mit nach Deutschland nehmen. In Deutschland werden die Tiere dann entweder direkt in ihre neue Familie vermittelt oder aber landen bei einer Pflegestation (das habe ich dann später gemacht). Als Flugpate entsteht einem wirklich so gut wie überhaupt kein Aufwand. Die Tiere werden einem mit ihren Papieren übergeben und stehen meistens schon unter Beruhigungsmitteln. So war das auf jeden Fall bei Rufus, den wir von Palma aus mit nach Mallorca nahmen. Das Einchecken war mit ihm überhaupt kein Problem; erst während des Flugs bemerkte er allmählich, was da eigentlich gerade los war und so wurde mein Ex-Freund am Ende neben seiner fast hyperventilierenden Freundin (ja, ich habe Flugangst und das zeige ich auch gern) auch noch von einem herzergreifend winselnden Schoßhund genervt. Trotzdem, als wir am Hamburger Flughafen ankamen waren wir beide etwas traurig, Rufus an seine freudige neue Besitzerin übergeben zu müssen.

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Nach dem Erlebnis hatte es mich nun gepackt und ich entschied mich dazu, es einen Hund aus dem Ausland zu retten und in Pflege zu nehmen. Den Anfang machte Maya, eien kleine Zottelhündin aus einer mallorquinischen Tötungsstation. Maya nahm ich mitten während eines Umzugs von Kiel, wo ich meinen Bachelor gemacht hatt, nach Hamburg zu mir auf und sie verließ mcih in Rekordzeit wieder: Nachdem ich in Kiel ein paar Möbel geholt hatte, ging ich dort im Park spazieren und wurde von einer Hundehalterin angesprochen, was ich denn da für einen niedlichen Hund habe. Das Ende vom Lied: Wir tauschten Nummern aus, ein paar Tage später rief mich die Dame aus Kiel an und erzählte, Maya ginge ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie wolle sie gern als Dritthund haben

So unkompliziert verlief die Vermittlung meiner Pflegehunde natürlich nicht immer. Benito, ein kleiner mallorquinischer Ratero, Dolly, eine Mischlingshündin aus Ungarn und Maya II, eine Mischlingshündin aus Kroatien blieben alle ein paar Wochen länger, wuchsen mir sehr ans Herz und hielten mich ganz schön auf Trab. Benito, weil er unerwarteter Weise aus vollem Halse zum Kläffkonzert anstimmte, wenn ich auch nur kurz auf Toilette ging (daran mal länger wegzubleiben war gar nicht zu denken – zum Glück hatte ich Semesterferien) und mit Maya II übernahm ich mich selbst ein wenig, weil ich zu dem Zeitpunkt schon meinen eigenen Hund Rudi hatte. Ohnehin ist die Aufnahme eines Pflegehundes bei sich zu Hause, natürlich nicht ganz ohne Aufwand verbunden. Man muss vorab Futter, Spielzeug und ein Körbchen beschaffen, dann muss man den Hund abholen, der, wenn man Pech hat von der Fahrt noch verstört und unsicher ist. Oft sind die Tiere auch nicht stubenrein oder haben durch das lange Leben im Tierheim eine kleine, nennen wir es mal, „Macke“. Damit meine ich nicht, dass die Hunde irgendwie aggressiv sind – das ist wirklich bei keinem der Hunde, die ich zur Pflege bei mir aufgenommen habe, jemals der Fall gewesen1 Im Gegenteil, die Hunde sind in der Regel sogar ganz besonders sozial verträglich, weil sie sich im Tierheim den Zwinger mit anderen Tieren teilen mussten und natürlich werden auch die Hunde, die freundlich auf Menschen zugehen und quasi um eine Rettung ‚betteln‘ am ehesten aus dem Tierheim geholt. Dafür kann es aber schon mal vorkommen, dass ein Hund kläfft, weil er so große Verlustängste hat oder aber seinen Schwanz jagt, weil er früher so lange im Zwinger saß, dass das die einzige Unterhaltung war, die er den Tag über dort hatte. Das alles sind aber Probleme, die nicht weiter tragisch sind und die man mit Übung und Geduld abtrainieren kann. Was man dabei aber bedenken sollte und auch im Kopf haben sollte, bevor man sich dafür entscheindet, einen Pflegehund bei sich aufzunehmen, ist, dass man dafür Zeit braucht. Die hatte ich als Studentin natürlich massig.

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Wenn ihr davon auch genug habt, kann ich jedem, der Tiere liebt und gern helfen möchte, nur empfehlen, einen Pflegehund bei sich aufzunehmen. Natürlich fällt die Trennung am Ende etwas schwer, aber wenn man, wie ich damals ohnehin nicht genau weiß wie und wohin es im Leben weitergehen soll und deshalb rein rational keinen Hund mit gutem Gewissen bei sich dauerhaft behalten kann (ein Hund möchte drei Mal am Tag raus und beschäftigt werden), ist ein Pflegehund aus dem Ausland eine wahnsinnig bereichernde Erfahrung. Und wer weiß; vielleicht kommt die Zeit ja doch noch, in der ihr einen eurer Gäste für immer behalten könnt.