Als ich ganz klein war, so eineinhalb Jahre alt, wurde ich von Fremden immer für einen Jungen gehalten. Das lag daran, dass ich Spielzeugautos geliebt und meine Puppe lieber zerschnitten habe, dass mein absolutes Lieblingsteil im Kleiderschrank eine ziemlich praktische Jeans-Latzhose war und ich hauptsächlich mit Jungs gespielt habe. Auch später hatte ich lange Zeit noch eine Abneigung gegen Zopfgummis, Röcke und alles, was sonst noch so mit ‘kleinen Mädchen‘ assoziiert wird.

Wenn kleine Mädchen selbst so wenig darauf geben, als ‘kleine Mädchen‘ wahrgenommen zu werden, stellt sich natürlich die Frage, wie sehr Mädchen eigentlich in rosafarbene Glitzerkleider und Jungs in Shirts mit Spiderman gezwängt werden und ob hauptsächlich  Sozialisierung und Erziehung für Geschlechtsstereotypen verantwortlich sind. Bin ich so schlecht in Mathematik, weil es von mir als ‘Mädchen‘ so erwartet wurde? Habe ich deshalb nicht einen der MINT-Berufe studiert, sondern mit ‘Lehramt‘ einen klassischen Frauenberuf? All das sind Fragen, die man sich nicht stellen müsste, würden wir in einer Welt ohne Kategorien wie leben.

Genau solche schafft das Label ‚MIXX‚  ab mit seinen geschlechtsneutralen ‚Girls equal Boys‘-Shirts. ‚MIXX‘ wurde von meiner Freundin und ehemaligen Klassenkameradin Janina Frahm (so proud of you!!!) und Ruchika Parab in Indien gegründet und ist mehr als nur ein Shirt-Label: Die Marke versucht soziale Fragen nach Gerechtigkeit der Geschlechter, Bildungsfreiheit etc. als Lifestyle attraktiver zu machen und diskutiert hierfür auf seiner Website Fragen wie Feminismus und  Gleichberechtigung in der Ehe. Die ‚Girls equal Boys‘-Shirts, die ein Zeichen gegen Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen zeigen sollen, haben sich in den sozialen Medien schon so verbreitet, dass sie kürzlich in der indischen Vogue zu sehen waren (#lifetimegoals). Ich habe Janina gefragt, wie ihr die Idee zu ‚MIXX‘ kam und wie für sie eine gleichberechtigte Zukunft aussieht.

Die bezaubernden Gründerinnen von MIXX

Die bezaubernden Gründerinnen von MIXX

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, MIXX zu gründen?

Janina: Als Frauen haben wir uns immer ein bisschen diskriminiert gefühlt. Selbst wenn man aus einer privilegierten Familie kommt, schwingt da immer dieses Gefühl von wegen „Ich habe es nicht so gut wie die Jungs“ mit. Wenn man dann aber mal näher darüber nachdenkt, ob die Jungs es wirklich so gut haben, ist man sich da auch gar nicht mehr so sicher. Es gibt für beide Geschlechter so viele Erwartungen. Von Männern wird erwartet, dass sie sich anders als Frauen verhalten. Dabei wäre es so toll, wenn wir alle einfach wir selbst sein könnten. Keine Vorschriften, keine Regeln. So kam uns die Idee zu MIXX, als einer von vielen Schritten in eine gleichberechtigte Zukunft.

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Was genau soll MIXX vermitteln?

Janina: Wir wollen einen Dialog starten und die Konsequenzen unserer Worte und Taten abwägen, unsere eigenen Vorurteile enttarnen und Kindern ihre aufzeigen. Das ultimative Ziel ist eine gleichberechtigte Zukunft und MIXX ist Bestandteil dieses Prozesses. Wir kreieren Produkte aus dem Fashion- und Lifestlyebereich, die verschiedene Sichten auf einen Gegenstand beleuchten sollen. Eine große Rolle spielt dabei auch unser ‚Zine‘, das hoffentlich bald alle paar Monate erscheint. Darin wollen wir mit verschiedenen Experten zusammenarbeiten und neue Ideen und Gedanken in Umlauf bringen.

Glaubst du, dass Stereotype à la „typisch Mädchen, typisch Junge“ teilweise stimmen? 

Janina: Alle Stereotypen sind gültig insofern, dass sie uns erlauben, schon Urteile zu fällen, bevor wir mit Menschen reden.  „Sie ist eine Frau, wahrscheinlich fehlt ihr was, um CEO zu sein…“ Meistens sind solche Klischees viel zu einfach und auf lange Sicht schädlich.

Wie sieht eine gleichberechtigte Zukunft für dich und MIXX aus?

Janina: In einer gleichberechtigten Zukunft dürfen Frauen und Männer ganz sie selbst sein. Charaktereigenschaften wie Stärke, Aggressivität, Sensibilität, Mitleid sind weder „typisch männlich“ noch „typisch weiblich“. Menschen dürfen ihre eigene Persönlichkeit haben, sie sind frei zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen, welche Kleidung sie tragen wollen, ganz unabhängig davon, welches Geschlecht sie haben. In einer solchen Zukunft sind wir frei von Erwartungen und haben die Freiheit, ganz wir selbst zu sein.