Für meinen ersten Halbmarathon musste ich gleich mehrere Anläufe (Achtung: mittelwitziges Wortspiel) nehmen. Bevor ich 2015 bei der ‚Berliner Generalprobe‘ in Steglitz mitmachte, hatte ich schon lange Zeit mit dem Gedanken gespielt und einen Start sogar verschenkt. Seitdem ich regelmäßig laufe (danke, Rudi, ohne dich würde ich das wohl nicht tun) wollte ich schon immer mal einen Halbmarathon laufen. Ein ganzer Marathon wäre mir viel zu weit, aber so ein halber, hach, das kann man schaffen, dachte ich mir, nachdem ich das erste Mal einen 10 Kilometer-Lauf erfolgreich hinter mich gebracht hatte. Und wenn man auf etas hintrainiert, bringt das Laufen ja bekanntlich ohnehin gleich viel mehr Spaß. So suchte ich mir 2014 übermotiviert den Hella Halbmarathon als ersten 21 km-Lauf aus und meldete mich im März an. Irgendwie wollte das Training aber so gar nicht klappen. Vielleicht weil ich gerade frisch getrennt war und als Single öfters feiern als laufen ging. Auf jeden Fall zog ich den langen Läufen am Samstag meistens doch eher das Katerfrühstück im Café um die Ecke vor und schwupps war schon Juni und ich war immer noch nicht mehr als 13 Kilometer am Stück gelaufen (und auch das nur mit einigen Gehpausen…). Nützte also nichts, ich verzichtete auf meinen Antritt inklusive sicherer Blamage.

Mein erster Halbmarathon: Plötzlich lief es wie von allein

Weil Rudi und ich aber auch ohne Ziel gern laufen – einfach aus Spaß an der Freude – wurden die Strecken mit der Zeit von allein immer weiter und ich „ohne Absicht“ schneller. Im Juni 2015 schaffte ich eines Morgens ohne Planung, ganz spontan und nach einer Flasche Wein am Vortag, die Alter zwei Mal zu umrunden – und das in einer echt akzeptablen Zeit. Nicht, dass die mir so wichtig wäre, dafür bin ich ehrlich gesagt auch viel zu langsam, aber ich denke mal, wenn mal für einen Halbmarathon so lange braucht, wie andere Menschen für einen Ultralauf, ist das Ganze wahrscheinlich auch einfach anstrengender. Der Zeitpunkt, sich anzumelden war somit gekommen. Weil der Hamburger Halbamarthon wieder mal ohne mich gelaufen war, googelte ich ein bisschen nach Alternativen und fand schließlich die Berliner Generalprobe. Die acht Wochen, die ich nun noch für das Training hatte, orientierte ich mich an einem Plan von Laufguru Herbert Steffny für die Stuttgarter Zeitung. Der ist ganz entspannt zu schaffen mit seinen drei bis vier Einheiten die Woche und sieht auch nicht zu strenge Zeiten vor. (Die Zielzeit ist auf 2:15 ausgelegt.) Am Vortag des Halbmarathons besuchte ich meine Freundin Isa in Berlin, die gerade erst kürzlich nach Kreuzberg gezogen war (superschöne Wohnung übrigens, Isa!). Wir machten uns einen entspannten Freundinnen-Tag; Berlin ist für mich ja eh immer wie ein Kurzurlaub, besonders im Sommer wenn man durch den Prenzlauer Berg läuft und sich unweigerlich fühlt wie in einem dieser Till Schweiger-Filme, wo alle mit Leinenhosen durch die Gegend laufen und glücklich mit ihren Patchwork-Familien sind. Abends waren wir bbei Isa um die Ecke thailändisch essen, Kohlenhydrate tanken und nach einem Bier auf dem Kreuzberg habe ich dann auch geschlafen wie ein Baby.

Zum Halbamrathon bin ich allein gefahren – Isa hatte selbst noch etwas für die Arbeit zu tun, deshalb wollten wir uns erst danach treffen. In der Bahn erkannte ich schon die ersten Teilnehmer an ihren Teilnehmer-Shirts und heftete mich bei Aussteigen unauffällig an ihre Füße (ich habe einen Orientierungssinn wie ein Blatt im Wind und wäre sonst erst nach Ende des Laufs angekommen…).

 

Die Stimmung auf dem Startgelände war super – laute Musik zu dem Augustwetter, fröhliche, entspannte Leute. Ich war auch erst relativ knapp vor dem Startschuss da, sodass mir gar keine Zeit blieb, aufgeregt zu sein: Kaum war ich da, ging es auch schon los. Ich hatte hatte kein Zielzeit angepeilt, erst mal schaffen, dachte ich mir, und stellte mich deshalb einfach irgendwo beliebig am Seitenrand auf, ich schätze mal zwischen Zielzeit 2:05 und 2:15. Nach dem Startschuss heftete ich mich hinter ein Pärchen, das ganz entspannt und nicht zu verbissen aussah, die perfekten Vorbilder also. Ich hatte ja keine Ahnung, wo die Strecke genau langging und so musste ich mich bei der ersten Steigung etwas durchbeißen, aber das lohnte sich: Als ich nach drei Kilometern auf meinen Tracker am Handy guckte, war meine Zeit bei 5.50 den Kilometer – schneller als meine übliche Zeit bei langen Läufen. Wow, wenn ich das schaffen konnte, dann Respekt vor mir selbst! Die ersten zehn Kilometer schaffte ich wirklich ganz entspannt unter einer Stunde und von dem Erfolg beflügelt ging es auch genauso mühelos weiter. Freundinnen, die selbst schon Halbmarathon gelaufen waren, hatten mir vorher erzählt, dass es ab Kilometer 15 zäh werden sollte, aber auch davon merkte ich nichts. Es war wie ein Rausch – ein ziemlich guter. ‚Gedopt’ mit ein paar Energy-Gels und jeder Trinkstation, die ich auf der Strecke mitnehmen konnte finishte ich mit 2:06 Stunden – und war mega happy, fit und munter.

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Den Tag verbachte ich mit Isa entspannt im Park mit Eis und bei bestem Sonnenschein, abends feierten wir beim ‚Mädchenitaliener‘ eine kleine private Pasta-Party. Ich weiß nicht ob es Berlin, das super Wetter oder die Freude darüber war, meine Freundin Isa endlich mal wieder zu sehen aber ich habe mir meinen ersten Halbmarathon wirklich um einiges qualvoller vorgestellt. Wahrscheinlich ist es mit dem Laufen so wie mit dem meisten im Leben: Nicht lang nachdenken, einfach machen – und dann läuft es wie von allein.

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