Wenn man mich fragt, was für mich der Sinn des Lebens ist, würde ich sagen: „Menschen treffen.“ Begegnungen sind für mich eines der wichtigsten Dinge überhaupt, weil man dabei andere Sichtweisen kennenlernt, die Perspektive wechselt und so aus jeder Begegnung ein Stückchen weiser herausgeht. Deshalb möchte ich in dieser Reihe Menschen vorstellen, die mit ihrer Lebensfreude anstecken, mit ihrem Tatendrang inspirieren und die Welt zu einem schöneren Ort machen.

Den Anfang macht Yogalehrerin Sandra von Zabiensky von ‚House of Grace‚. Schon seit Langem liken wir regelmäßig Fotos der Anderen, bis wir irgendwann anfingen zu schreiben. Und dann auch telefonierten. Tja, und jetzt ist es so weit, dass wir auch Dinge wie gemeinsame Box-Sessions planen (ich freue mich schon, meine Liebe! :)). Im wahren Leben unterrichtet sie im ‚Satyaloka Yoga‚ in Ahrensburg und ab Mai auch im ‚Soul&Yoga‚ in Hamburg.

 

Wie hast du zum Yoga gefunden?

Über eine persönliche Krise. Zunächst war Yoga für mich aber Sport. Als ich zu surfen begann, bin ich eher langatmig auf mein Brett drauf geklettert als einen lockeren und stilsicher Pop-up zu präsentieren, so steif war meine Hüfte. Das musste ich ändern und bin so auf Yoga gekommen. Also schwitzte ich in Bikram-Stunden, denn „normales“ Yoga habe ich anfangs als eine Art esoterische Krankengymnastik abgetan. Langsam habe ich mich dann an Power Yoga und Vinyasa Flow herangetastet und da durfte es auch schon etwas spiritueller sein. Durch einen tiefgreifenden Umbruch in meinem privaten und beruflichen Umfeld, stand meine Welt plötzlich Kopf. Ich stellte fest, dass, wenn ich mich im Yoga auf den Kopf stellte, sich damit auch meine Perspektive auf alles veränderte. Dann fand ich Momente der Ruhe im Sturm, konnte mich mit etwas in meinem Inneren verbinden, das mir eine Kraft schenkte, die sich nicht im Außen begründet. Mit der Zeit, habe ich mich mehr und mehr verändert und lebe heute durch Yoga ein Leben, das für mich kaum schöner sein kann. Mittlerweile ist Yoga zu einem festen Bestandteil in meinem Alltag geworden, es ist meine Basis und mein Fundament. Meine Lehrerin Lalla Turske hat einmal gesagt: „Yoga ruft“ und genauso ist es, Yoga hat mich gerufen, tut es immer noch – jeden Tag.

Was ist deine schönste Erinnerung?

Das ist so eine schwierige Frage, es gibt tatsächlich nicht die eine Erinnerung, die alles überstrahlt, sondern viele kleine Momente des Glücks. Beim Surfen in Freights Bay in Barbados zum Beispiel, als ich im Line-up saß, sich über der Bucht ein Regenbogen gebildet hat, eine Schildkröte kurz neben mir auftauchte und fliegende Fische über die Wellen segelten – da habe ich einen unfassbaren Moment des Glücks erlebt. Ich erinnere mich auch an die atemberaubenden Sonnenuntergänge in Kalifornien, am Pier von Huntington Beach, als Himmel und Meer sich in einer Explosion aus Rosa und Rottönen vereinigten. Oder auch an die Ehrfurcht, als ich in Bali im Wassertempel an einer Zeremonie im Inneren des Tempels teilnehmen durfte. Das Glück, mit geliebten Menschen Momente von Freude zu teilen. Mein kleines Patenkind Ida, das aus vollem Herzen glucksend lacht und sich dabei in meine Arme wirft. Das zufriedene Schnarchen meiner Hunde, die kleinen Körper dabei vollkommen entspannt. Der Ausdruck auf den Gesichtern der Yogis, wenn ich mit meinen Stunden ihre Herzen berühre… Es gibt so viele schöne Erinnerungen und ich hoffe, ich darf noch ganz viele dieser Art erleben.

Wenn du an dich vor 10 Jahren zurückdenkst, hättest du damals gedacht, dass du jetzt dort bist, wo du bist?

Auf gar keinen Fall. 🙂 Vor zehn Jahren war ich eine gehetzte PR-Frau mit langen, platinblonden Haar-Extensions, niemals ohne 10cm High Heels anzutreffen (mindestens!) und Glück hat für mich bedeutet, mit Champagner bei Louis Vuitton einkaufen zu gehen.

…und die Person bist, die du heute bist?

Heute bin ich eine ziemlich entspannte Yogini, die unterrichten darf, aber auch noch in der PR arbeitet. Eine, die begeistert bei Mantren mitsingt und sich in ihrer Freizeit mit dem kaschmirischen Shivaismus oder dem Kurs in Wundern auseinandersetzt. Ich bin sehr dankbar und glücklich für mein Leben, ich empfinde jeden Tag als Geschenk. Natürlich ist das Leben nicht ein einziger Ponyhof, aber ich habe ein tiefes Grundvertrauen und glaube, dass alles gut ist, so wie es kommt, dass alles, was mir widerfährt, seinen Grund hat und kann so aus mir selbst heraus mein Glück kreieren.

Was macht dich persönlich ‚glücklich‘?

Das ist das Verrückte: ich kann mein Glück gar nicht mehr an etwas Speziellem festmachen. Glück ist ein tiefes Gefühl aus mir selbst heraus. Ich wache morgens auf und da ist es, das Glück. Da kann ich natürlich auch herausfallen, aber ich kehre ganz schnell wieder dahin zurück. Es ist auch mehr als nur Glück, es ist ein Urvertrauen da, das alles richtig ist, wie es kommt und ich nie alleine bin. Gabrielle Bernstein umschreibt dieses Gefühl des Getragenseins es so schön mit „the universe has your back“.  Daraus speist sich eine tiefe Zufriedenheit, die sich in Glück weiterentwickelt.

Was ärgert dich am meisten an dir selbst?

Hm, schwierige Frage. Das ich mich manchmal immer noch über Dinge, Personen oder Situationen aufrege. Aber zum Glück hole ich mich ziemlich schnell selber wieder runter. Ach ja, und ich bin total genussfreudig. Ich gebe vielleicht etwas zu viel Geld für Essen aus. Und für Yoga-Leggings. Ich rechtfertige es mir damit, dass ich sie zum unterrichten brauche, aber die Wahrheit ist: Ich liebe Yogakleidung, einfach so, aus Freude an schönen Dingen. Brauchen ist also nicht wirklich das richtige Wort. Okay, sind doch ein paar Dinge zusammen gekommen. 🙂

Würdest du dich selbst zu einem Date einladen, was würdet ihr unternehmen?

Wir würden das Date an einem Strand verbringen, vielleicht sogar mit Surfen oder einem schönen Spaziergang.

…eine Sache, die jeder in Hamburg mal gemacht haben sollte?

Eine? Hamburg hat so viele tolle Seiten. Ich finde, jeder sollte unbedingt einmal die Schuhe auf der Reeperbahn durchtanzen und die Nacht morgens am Fischmarkt ausklingen lassen. Auch super: an der Elbe den Schiffen zuschauen und an der Alster Sommerabende mit Freunden verbringen – ja, das wären absolute Must-dos, würde ich sagen.

Wenn du dir selbst eine Frage stellen dürftest, welche würde das sein? 

Warum bist Du hier auf der Welt?