Ja, es ist so weit: Ich bin 30. Was das mit mir macht? Ehrlich gesagt, nicht wirklich viel. So in etwa fiel meine Antwort auf die besorgten Fragen, wie sich dieser runde Geburtstag anfühlt, aus.

Mir ist Alter wirklich relativ egal, solange es sich nicht als Rückenschmerz, Herzproblem oder Altersdiabetes bemerkbar macht. Vielleicht, weil es, wenn man es erst mal erreicht hat, sich doch immer nur als eine Illusion herausstellt, die man früher von seinem jetzigen „alten Ich“ hatte. Alter fühlt sich nie so an, wie man es sich früher mal vorgestellt hat und man selbst ist nie so anders, wie man es erwartet hat. Das wurde mir neulich erst klar, als ich beim Aufräumen alter Kartons im Zuhause meiner Eltern auf ein altes Tagebuch von 1998 gestoßen bin. Damals mit 10 Jahren schrieb ich ziemlich naiv und deutlich geprägt durch die Großhansdorfer-sorglos-Mentalität, meine Vorstellung von der Zukunft auf. Damals vor 20 Jahren, erschienen mir 30-Jährige unfassbar alt und ich ging anscheinend davon aus, dass einem mit 30 Jahren automatisch Kinder, Ehemann, Einfamilienhaus mit Garten und Doktortitel wachsen. Die Realität sieht (zum Glück) anders aus:

Ich wohne immer noch allein, arbeite in einem Job, unter denen meine Omas sich so absolut gar nichts vorstellen können, ich gehe feiern, statt abends Hemden zu bügeln und kann manche – okay, viele – der europäischen Hauptstädte nur mithilfe von Google beim Namen nennen. Soll heißen: Eigentlich bin ich charakterlich so ziemlich genau der Mensch, der ich immer – oder zumindest seit ich mich erinnern kann – war. Nur eben um ein paar wertvolle Erfahrungen reicher.

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Ich schätze mal, das wird mit 40, 50, 60 Jahren genauso sein. Irgendwie bleibt man im Kern doch immer der Mensch, der man ist, und wacht nicht einfach irgendwann überraschend im Faltenrock zu Schlagermusik auf. Man bleibt ja doch irgendwie immer man selbst, auch wenn sich äußere Umstände – die beste Freundin ist plötzlich Mama, die ersten Bekannten ziehen in abschreckende Vororte – in Abhängigkeit von Zeit und Alter ändern.

Das war mir früher mit 10 Jahren noch nicht klar, als ich meine Vorstellung von mir als Erwachsene aufschrieb. Auch mit 18 und 20 Jahren hatte ich diese Erkenntnis noch nicht und war noch kurzzeitig deprimiert darüber, jetzt plötzlich „alt“ zu sein, offiziell Autofahren zu dürfen, mit der Frage „Ausbildung oder Studium, und falls Letzteres, welcher Studiengang?“, Weichen für die Zukunft zu stellen. Solche Lebensfragen stellen sich aber immer wieder im Leben und sind nicht an eine bestimmte Zahl gebunden. Theoretisch können und müssen wir jederzeit entscheiden, ob wir in unserem Job zufrieden sind, oder ob wir nicht noch mal eben nach Indien durchbrennen wollen, ob wir den richtigen Partner an unserer Seite haben, die Stadt, in der wir leben, die richtige für uns, ob das Leben, das wir führen, uns wirklich glücklich macht.

„Erkenne dich selbst! Werde, der du bist!“

– das tut man meiner Meinung nach am besten, wenn man genießt, lacht und sich jeden Tag zumindest ein bisschen darauf besinnt, was einem im Leben wichtig ist. Was so dabei am Ende herauskommen soll? Wir, glücklich, nur eben ein paar Jährchen älter.