Yogastudios gibt es viele –  und das Schöne daran ist, dass es, wenn man mich fragt, für jeden das richtige Studio gibt, je nachdem, was man sich vom Yoga erhofft. Es gibt Studios, in denen es besonders sportlich zugeht, und in denen man mehr ins Schwitzen gerät, als beim Lauf um die Alster, es gibt Schulen, in denen man 90 Prozent der Zeit mit geschlossenen Augen liegend auf dem Boden verbringt und es gibt „Damn Good Yoga„.

Das Studio, das vor 2 Jahren im Grindelviertel eröffnete, besuche ich schon seit längerem und liebe es für seine nicht ganz so übermäßig-spirituelle und immer fröhlich gut gelaunte Ausrichtung. Neben dem normalen Unterricht lassen sich die Lehrer hier auch immer wieder etwas Neues einfallen, wie zum Beispiel „Yoga und Groove“ beim „Groove Yoga Festival“ (findet dieses Jahr im Oktober statt.) Inhaberin Nadine erzählte mir, wie sie zum Yoga kam und warum es einem nach einer Stunde in ihrem Studio immer so damn good geht.

Wie bist du eigentlich zum Yoga gekommen, Nadine?

Nadine: Ich habe früher viel getanzt, eigentlich, seit ich denken kann. Schon während meines Abis und meines Studiums habe ich Tanz und Pilates unterrichtet. Als ich dann mit dem Studium fertig war und meinen ersten Job in einer PR-Agentur angefangen habe, war leider so gar nicht mehr daran zu denken, noch nebenbei zu unterrichten oder es gar pünktlich zu einem Tanztraining zu schaffen. Also bin ich erst mal im Fitness-Studio von Kurs zu Kurs gezogen und habe ziemlich viel ausprobiert, aber nichts hat mich wirklich so richtig begeistert. Bis eine Kollegin mir ein Yogastudio empfohlen hat. Schon nach der ersten Stunde war ich hin und weg und hatte genau das gefunden, was mir  bei allem anderen gefehlt hatte: Ein ganzheitliches Training für Körper, Kopf und Herz.

…und wann hast du beschlossen, Yogalehrerin zu werden?

Nadine: Tatsächlich habe ich mich ein halbes Jahr nach meiner ersten Yoga-Stunde zum Teacher Training angemeldet und danach direkt angefangen, am Wochenende zu unterrichten. Je mehr ich mich mit Yoga beschäftigt habe, desto mehr habe ich gemerkt, wie falsch ich mich in meinem PR- und Marketing Job gefühlt habe. Obwohl ich darin sehr gut und erfolgreich war. Was ich da zehn, zwölf Stunden am Tag machte, kam mir plötzlich so sinnlos vor – beim Yoga-Unterrichten war das jedoch völlig anders. Das war genau das, was ich machen wollte. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem zweigleisig fahren nicht mehr funktionierte und ich eine Entscheidung treffen musste: Und die viel ganz klar für Yoga aus. Also habe ich einfach meinen Job gekündigt und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Der Plan war, erst mal ein paar Monate zu reisen und nach Jahren im Agentur-Hype erst mal runterzukommen. Aber kaum war ich ein paar Tage raus aus der Agentur, bekam ich einen Raum im Grindelviertel angeboten, quasi auf dem Silbertablett. Bei dem Wink des Schicksals konnte ich nicht nein sagen und war kurzerhand Inhaberin meines ersten eigenen Studios.

Lehrerin Nadine in einer ihrer Stunden

Lehrerin Nadine in einer ihrer Stunden

Was ist dein Lieblings-Yogastil?

Nadine: Ich lege mich ungern auf Yogastile fest – man wird schnell dazu verleitet, in Schubladen zu denken oder dogmatisch zu werden. Und genau das ist Yoga eben nicht. Die Lehrer, die bei uns unterrichten kommen alle aus ganz verschiedenen Stilen und jeder hat seine ganz eigene Persönlichkeit und bringt sein besonderes Wissen mit ein. Es gibt für sie keine Vorgaben, sich auf einen Stil festlegen zu müssen. Mir ist es wichtiger, dass das, was sie vorne auf der Matte tun, authentisch ist und von Herzen und aus vollster Überzeugung kommt.

Persönlich mag ich sehr gerne dynamisches, aber sauber ausgerichtetes Yoga, bei dem der Körper gut durchbewegt wird, man aber gleichzeitig richtig schön den Kopf frei bekommt und dazu eingeladen wird, tiefer in den eigenen Körper und die eigenen Widerstände zu spüren.

Je mehr ich mich mit Yoga beschäftige, integriere ich aber immer mehr ruhigere Yoga-Arten wie Yin Yoga oder Yoga Nidra in meine eigene Praxis, aber auch meinen Unterricht. Wir leben gerade in einer so verrückten und schnellen Welt, da kann man auf der Yogamatte ruhig häufiger mal zur Ruhe kommen, statt bei 108 Chaturangas noch mehr in den Wettbewerb mit sich und der Welt zu treten. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich auch sehr intensiv mit Meditation und Kundalini Yoga – zwei Werkzeugen der Yogapraxis, die uns noch intuitiver und feinstofflicher werden lassen.

Wie kamst du auf den Namen „Damn good Yoga?“

Nadine: Das war eine dieser Eingebungen, die man plötzlich hat und sich denkt: Ok, dann soll es jetzt so sein.

Was unterscheidet „Damn Good Yoga“ von anderen Studios?

Nadine: Um ehrlich zu sein, gucke ich nicht wirklich, was andere Studios machen und wie ich mich von ihnen absetzen kann. Ich konzentriere mich lieber darauf, mein Ding zu machen, so wie ich es für gut und richtig halte und nicht in den Vergleich zu gehen. Mir war es immer wichtig, mit einem Yoga Studio einen Ort zu schaffen, an dem es um mehr als nur sportliche Betätigung, also die Asana-Praxis geht. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, gemeinsam die Matte ausrollen, schwitzen, lachen, über sich hinaus wachsen und Teil einer Community und eines ganz besonderen Lebensgefühls werden. Bei uns können sich alle wie zu Hause fühlen, es geht bei uns nicht um Wettbewerb und Performen, sondern um Wachstum, Respekt und gegenseitigen Support. In den letzten zwei Jahren, die es dieses Studio gibt, sind wir wirklich eine große Community geworden und es ist schön zu sehen, wie Yoga die Schüler in ihrem Leben unterstützt und sie durch sehr viele verschiedene Phasen ihres Lebens begleitet.

Bei uns erwartet die Schüler zeitgenössisches Yoga – dynamisch, urban, ungezwungen und überhaupt nicht dogmatisch. Unser Anspruch ist es, die Yoga-Philosophie und die vielen tollen Tools, die wir durch sie bekommen, so zu vermitteln, dass die Schüler sie in ihren Alltag integrieren können und  so zu übersetzen, dass sie in unser heutiges Leben passen.

Das "Damn Good Yoga"-Team

Das „Damn Good Yoga“-Team

Hast du eine Lieblingsyogaübung? und wenn ja, welche?

Nadine: Früher waren es tatsächlich diese klassischen Poser-Posen wie Unterarmstand, Armbalancen oder intensive Rückbeugen. Je weiter ich auf meinem Yogaweg gegangen bin, desto uninteressanter wurden diese Dinge aber irgendwann. Heute freue ich mich jeden Morgen, direkt aus dem Bett auf mein Meditationskissen zu klettern, eine halbe Stunde die Augen zu schließen, tief zu atmen und zu meditieren.

Welche Dinge findest du sonst noch damn good?

Nadine: Gutes Essen. Gute Leute. Gute Bücher. Frische Luft. Mini-Ponies. Die Welt beim Reisen entdecken. 

Könntest du mir den Satz beenden: „Yoga ist für mich…“

Nadine: …mittlerweile ein ziemlich großer und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil meines Lebens. Auf der Matte und jenseits davon. Etwas, was mein Leben sehr schnell sehr zum Positiven verändert hat und mir auch in schwierigen Zeiten oder bei großen Herausforderungen buchstäblich den A**** gerettet hat.