Eine Café-Kette, so was wie Starbucks oder Balzac, wollte er nie gründen, sagt Thomas Kliefoth, Gründer von elbgold, der in seiner Rösterei Kaffee ganz im Sinne der „Third Wave“ verarbeitet. Seine Partnerin Annika und er wollten einfach nur beweisen, dass man in Hamburg guten, frischen, fairen Kaffee machen kann – daher auch der Name ‚elbgold‘, das Gold Hamburgs. Dass der Kaffee so dermaßen gut ankommt, dass  neben den drei bestehenden Läden in Winterhude, in den Schanzenhöfen und in Eppendorf, ab Herbst 2017 noch zwei weitere Filialen in Winterhude und am Hamburger Rathaus eröffnen, hätte Kliefoth früher selbst nicht erwartet. Ich habe mich mit dem elbgold-Gründer auf einen Kaffee getroffen und ihn zu seinem Lieblingskaffee, dem täglichen Koffein-Konsum und dem nächsten Kaffee-Trend befragt.

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Woher kommt deine Leidenschaft für Kaffee?

Thomas Kliefoth: Kafee trinken war schon immer ein großes Hobby von mir. Als Teenager hatte ich ein Mofa und war immer ziemlich viel in der Stadt unterwegs, deshalb wusste ich ganz genau, wo es den besten Kaffee gab. Da bin ich dann mit meinen damaligen Freundinnen hin und später im Studium habe ich eine Zeit lang als Barista gejobbt.

Wann hast du eigentlich deinen ersten Kaffee getrunken?

Thomas Kliefoth: Oh, da war ich noch ziemlich jung. Ich schätze so zwölf. Früher gab es für uns Kinder diesen Caro-Kaffee aus Getreide, aber den mochte ich nicht und bin dann direkt mit normalem Kaffee eingestiegen. Mit der Zeit wurde es immer mehr, vor allem, weil ich früher starken Heuschnupfen hatte und die Medikamente so müde gemacht haben.

Wie hoch ist dein täglicher Konsum heute?

Thomas Kliefoth: Der ist jetzt im Alter schon deutlich weniger geworden. So zwölf Tassen am Tag sind es trotzdem noch, schätze ich. Von dem Cappuccino hier trinke ich jeden Tag mindestens drei, vier. Und morgens zum Aufstehen brauche ich erst mal eine ganz Kanne.

Ist denn dein Blutdruck denn okay?

Thomas Kliefoth: Denke ich mal. Ich gehe nicht zum Arzt. Aber wenn wir Kaffee einkaufen, trinke ich den natürlich auch nicht richtig. Da probiert man immer nur ganz kurz, anders geht das gar nicht, weil man sich da durch 100 verschiedene Kaffees am Tag durchprobieren muss.

elbhold-Kaffee wird ganz im Sinne des „Third Wave“-Trends  direkt beim Erzeuger eingekauft und in der Schanze geröstet. Die Bauern bekommen dabei nicht nur das, was Kaffee laut Börse wert ist, sondern so viel tatsächlich zum Leben brauchen. 

Wann kam dir der Gedanke, eine eigene Rösterei zu eröffnen?

Das Ganze ist eigentlich aus einem Hobby entstanden. Meine Partnerin Annika und ich mochten unabhängig voneinander Kaffee schon immer unheimlich gern; mein erstes Geburtstagsgeschenk an sie war ein Espressokocher mit Espressotassen und Espresso. Gemeinsam sind wir viel gereist, haben überall Kaffee getrunken… und wollten einfach beweisen, dass man auch in Hamburg – der Kaffeestadt und Hauptumschlagplatz für Rohkaffee – guten, frischen, fairen Kaffee machen kann. Wir wollten eigentlich schon 1994 eine eigene Rösterei eröffnen. Damals hatten wir uns in einen Laden in den Colonnaden verliebt, aber es hat alles so ewig gedauert mit Krediten und was man noch alles braucht, dass jemand anders schneller war. Wir haben den Traum dann erst eine Weile begraben und uns dann 2004 gesagt: Entweder wir machen jetzt eine Weltreise, oder wir gründen jetzt wirklich. Tja, und dann haben wir uns fürs Gründen entschieden.

Wie lange bist du zum Bohnenkaufen unterwegs?

Thomas Kliefoth: Meistens rund zehn Tage. Da bereist man mal eben drei, vier südamerikanische Länder. Da klingt alles so romantisch, aber eigentlich ist das ganz schön stressig. Man muss ja auch gucken, dass man genug hochqualitativen Kaffee findet, um so einen Container mit 320 Sack vollzukriegen.

Ihr macht das ja alles schon seit 2004. Kann man sagen, dass sich der Geschmack der Kaffee-Konsumenten in der Zeit irgendwie geändert hat?

Thomas Kliefoth: In Deutschland ist der Geschmack allgemein eher mild, schokoladig. Ich unterteile Menschen immer in zwei Arten, was Geschmack angeht. Die eine Art steht auf Fruchtiges und würde sich, wenn sie sich ein Eis kauft, immer etwas Sorbet-artiges aussuchen. Und dann gibt es die andere Art, die immer ein Milchspeiseeis nehmen würde. Das sind die typischen Deutschen. Der am meisten verkaufte Kaffee hier ist zum Beispiel Cappuccino. Die meisten mögen eher eine weiche Röstung.

Was für eine Kaffeemaschine hast du zuhause?

Eine uralte Espressomaschine, die mit Druck arbeitet. Den besten Espresso bekommt man aber ohnehin im Café, allein schon, weil die öfter im Betrieb ist. Wenn man zu Hause einen eigenen Vollautomaten Siebträger hat, müsste man da eigentlich erst 10 Espresso-Shots durchlaufen lassen, bis der Geschmack optimal ist.

Hier im 'elbgold' in der Schanze werden im Hinterraum jährlich 180 Tonnen Kaffee geröstet.

Hier im ‚elbgold‘ in der Schanze werden im Hinterraum jährlich 180 Tonnen Kaffee geröstet.

Wa hältst du von Nespresso?

Würde ich nicht trinken, allein wegen des Umweltaspektes. Aber auch so sind 5 Gramm Kaffe für 90 Cent ganz schön überteuert. Da ist nur das Marketing gut.

Wie wichtig ist der Barista eigentlich bei der Zubereitung von Kaffee?

Thomas Kliefoth: Beim Geschmack von Kaffee spielen gleich mehrere Faktoren eine wichtige Rolle: Qualität der Rohbohnen , die richtige Röstung und die Zubereitung. Aber natürlich auch der Mensch, der Barista, daher ist das Thema Schulungen so wichtig bei uns.

Welches ist der nächste Kaffee-Trend? 

Thomas Kliefoth: In den USA trinken alle momentan Nitro Kaffee. Das ist kalter Kaffee, der aus dem Zapfhahn kommt und so mit Stickstoff angereichert wird, dass er schäumt. Man denkt dann fast, dass Milch drin ist, obwohl es wirklich nur Kaffee ist. Wir experimentieren da gerade ein bisschen mit herum. Wenn wir im Sommer die neuen zwei Filialen eröffnen, soll es den Nitro Kaffee auch darin geben.

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Nitro Kaffee in the making…

Trinkst du in deiner Freizeit mit deinen Freunden noch auf einen Kaffee?

Thomas Kliefoth: Eher nicht. Mit meinen Freunden trinke ich lieber ’nen Wein. Wir haben unsere Läden an sieben Tagen die Woche auf – in der Woche ab 8, am Wochenende von 9 bis 19 Uhr, und wir sind immer da. Da bleibt leider keine Zeit, mit Freunden woanders Kaffee zu trinken und Freizeit hat man erst abends nach Feierabend – daher der Wein.

Cheers.

Cheers.