Eine Woche ist es jetzt her, dass ich beschlossen habe, sechs Wochen lang keinen Alkohol zu trinken, und was soll ich sagen: Geht doch. Sogar viel besser als gedacht.

Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich mir nach dem letzten Wein mit einem Freund den Geschmack darauf wirklich ein bisschen verdorben habe. Vor allem liegt es aber auch an den Reaktionen in meinem Umfeld: „Krass, wie du deinen besten Freund verteufelst“ und Fotos von geöffneten Weinflaschen sind nur einige der Kommentare, die ich mir letzte Woche nach meiner Selbstversuch-Ankündigung anhören musste. Bin ich echt so eine Schnapsdrossel? Wenn es nach meinen Freunden geht, anscheinend schon. Grund genug es ihnen (und mir selbst) zu beweisen.

Cheers... ach ne, doch nicht.

Cheers… ach ne, doch nicht.

Unter der Woche trinke ich zum Glück eh nur selten, deshalb bemerke ich meinen Versuch die ersten Tage überhaupt nicht. Nur am Donnerstag als ich mit einer Freundin im Savoy-Kino und ‚The Schnowman‘ gucke (Fazit: geht so – der Film erinnert irgendwie an einen sehr in die Länge gezogenen ‚Tatort‘) fällt mir auf, dass da ja was war. Nicht wenige der Zuschauer verpassen dem Film mit ihrem Bier eine Extra-Portion Spannung und ich muss zugeben: so eine schlechte Idee wäre das jetzt nicht.

Aber Vorsatz ist Vorsatz und so bleibe ich auch Freitag und Samstag weiter nüchtern, mit dem Ergebnis, dass mir das Wochenende viel länger als sonst erscheint. Man schafft nun mal mehr, wenn man nicht den halben Tag lang mit einem Kater im Bett liegt. Stattdessen gehe ich Samstagmorgen eine Runde laufen, verabrede mich mit Freunden, arbeite ein bisschen und lasse das Wochenende am Sonntag mit einem Essen beim Lieblingsitaliener ausklingen. Sehr zum Schrecken des Kellners ohne das obligatorische Glas Wein.

Als der Kellner mir zum Abschied einen Amaretto anbietet, muss ich mich ganz kurz zusammenreißen, aber ich bleibe standhaft. Angeblich soll man schon nach zwei Wochen erste Veränderungen im Körper bemerken (bessere Haut, besserer Schlaf) – da will ich jetzt nicht jetzt den Reset-Knopf drücken. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber mir kommt es tatsächlich so vor, als hätten sich manche Sachen schon verändert: Ich schlafe besser, ich fühle mich weniger gestresst und mein Geschmack ist viel intensiver. Das Essen – Penne all’arrabiata – kann ich ohne vom Wein benebelten Sinne, viel mehr genießen. Also von mir aus kann es gern so weitergehen.

Was ich in meiner ersten Woche ohne Alkohol gelernt habe:

  1. Meine Freunde sind die coolsten. Keiner stellt blöde Fragen, wenn ich sage, dass ich gerade eine Trinkpause mache, und keiner versucht mich zu überreden. Manche ziehen sogar mit und tauschen jetzt selbst ihr Bier gegen ein Wasser; einfach, weil allein trinken keinen Spaß macht.
  2. Gleichzeitig fällt mir auf, wie viel um mich herum getrunken wird – teilweise schon zum Lunch oder am Nachmittag.
  3. Alkohol verbindet und schafft Erinnerungen  – deshalb geht man auf Dates Wein und keinen Tee trinken, deshalb trinkt man auf angespannten Geschäftsterminen und trifft sich mit Bekannten, denen man nüchtern nicht so viel zu sagen hätte, auf einen Drink in der Bar. Je mehr Erinnerungen man schon mit Menschen gemeinsam hat, desto weniger braucht man Alkohol, um mit ihnen Spaß zu haben. Ich bin froh über all die Menschen, mit denen ich auch nüchtern immer einen Grund zum Lachen finde.