Gelegenheiten, zu denen man trinkt? Dinnerparties, emotionale Krisen, Dates. Hatte ich letzte Woche alles, und ja, ich habe meinen Selbstversuch, sechs Wochen lang keinen Alkohol zu trinken, trotzdem weiter durchgezogen. Auch wenn ich zwischendurch deshalb etwas sauer auf mich selbst war – man hat als einzig Nüchterne nun mal selten am meisten Spaß auf der Party.

Sechs Wochen sind die Sommerferien lang, und wenn ich mich an meine Kindheit so zurückerinnere, kamen mir die Ferien ab einem gewissen Zeitpunkt immer etwas lang vor. So ging es mir letzte Woche mit meinem Selbstversuch, was aber auch an meinem vollen Schedule lag.

Am Montag war ich zu einer Dinnerparty eingeladen, auf der es gratis ziemlich guten Gin en masse gab, und während alle um mich herum mit jedem Glas fröhlicher wurden, überlegte ich, ob man durch den Zucker in Cola wohl ein ähnliches High erreichen könnte. Ich entschied mich dann aber doch dazu, einfach nur Wasser zu trinken. Ein bisschen fühlt man sich auf Partys, auf denen alle anderen trinken, wie ein Spielverderber. Das hat so etwas davon, mit einer Glutenallergie mit in die Pizzeria zu kommen: Alle sind latent genervt und gucken einen skeptisch an, ob man jetzt schwanger, dem Diät-Magerwahn verfallen ist, oder ein so krasses Alkoholproblem hatte, dass man sich jetzt ganz zurückhalten muss. Nein, bei mir trifft nichts davon zu, ich will meiner Leber nur mal ein paar Wochen Pause gönnen und gucken, wie es sich anfühlt, als Einzige nüchtern zu sein.  Fazit: So schlimm war es gar nicht und wenn man dem leicht enttäuschten Gastgeber erst mal verklickert hat, dass man wirklich keinen Drink trinken möchte, kommt man auch gar nicht mehr so sehr in Versuchung. Ebenso wenig wurde ich dazu verführt noch weiterzuziehen: Wer nüchtern ist, ist schneller müde und so habe ich mich noch vor 12 nach Hause gestohlen und konnte am nächsten Tag top ausgeschlafen und erholt in den Tag starten. Fühlte sich gut, aber irgendwie auch ganz schön alt an.

Am Wochenende gab es gleich die nächste Grenzerfahrung: Spieleabend mit Glühwein und drei betrunkenen Freundinnen. Die Einzige, die am Ende überhaupt noch sah, was auf den ‚Tabu‘-Spielkarten steht? Ich natürlich. Was mir dabei auffiel ist, dass wenn man einmal erst kommuniziert hat, dass man momentan keinen Alkohol trinken möchte, damit auch in Ruhe gelassen wird. Das kenne ich so gar nicht, denn normalerweise werde ich eigentlich immer, egal wie sehr ich mir abends geschworen habe, mal weniger tief ins Glas zu gucken, immer überredet mit zu trinken. Dabei geht es eigentlich so einfach. Vielleicht sollte ich in Zukunft meine Vorsätze einfach mal glaubhafter kommunizieren.

Sonntagabend war ich noch kurz in der Berglundbar, meiner Lieblingsbar in Hamburg, in der ich wirklich noch nie nüchtern war. Dieses Mal gab es für mich zwei Mango-Schorlen und eine Cola. Schmeckt mir persönlich eigentlich sogar besser als der übliche Gin, nur dass der Effekt ausbleibt.

Dafür bemerke ich andere Effekte:

 

#1 Kein Alkohol = mehr Entspannung

Ich fühle mich merklich ausgeglichener, bin weniger rastlos und Essen, zudem man ja oft ein Glas Wein dazu trinkt, nehme ich viel intensiver wahr.

#2 Klare Entscheidungen

Auf Parties kann ich viel besser differenzieren, ob ich wirklich noch Lust habe zu bleiben, oder ob es jetzt nicht mal an der Zeit wäre, nach Hause zu gehen – den Zeitpunkt verpasse ich sonst leider ziemlich häufig, weil es gerade so „lustig“ ist. Das passiert mir jetzt nicht mehr und ich habe viel mehr vom nächsten Tag.

#3 Immunbooster

Angeblich verbessert sich auch das Immunsystem schon nach zwei Wochen Alkohol-Abstinenz. Keine Ahnung ob es daran liegt, aber die erste herbstliche Erkältungswelle, hat mich dieses Jahr tatsächlich noch nicht erwischt.

Alles ziemlich gute Dinge, wie ich finde und je länger ich dabei bin, desto leichter fällt mir der Versuch.Das ist ja meistens so mit Gewohnheiten. Wenn es so weitergeht, kann ich mir inzwischen aber sogar vorstellen, meinen Versuch noch um zwei weitere Wochen zu verlängern, aber das überlege ich mir die nächsten Wochen noch mal ganz in Ruhe. Mit Alkohol-Abstinenz ist es genau wie mit dem Trinke: Übertreiben tut nie gut.