„Nein, ich möchte heute wirklich nichts trinken.“ Immer, wenn ich das sage, endet der Abend so, dass sich mein magisches Weinglas immer wieder von allein auffüllt und ich Stunden später mit gefühlten 1,5 Promille nach Hause wanke. Den nächsten Tag ärgere ich mich spätestens, wenn Rudi ungeduldig vor der Tür steht, und mir nichts anderes übrig bleibt, als mit schmerzendem Kopf meine Laufschuhe zu schnüren.

Was das Trinken angeht, bin ich ein echter Versager. Irgendwie schaffen es meine Mitmenschen fast immer, mich zu einem Glas Wein zu überreden. Vielleicht liegt es daran, dass Alkohol im gesellschaftlichen Umgang schon Standard ist und Trinken schon so sehr zum sozialen Miteinander gehört, dass es beinahe egal ist, ob einem Alkohol überhaupt schmeckt, oder nicht.

So richtig fiel mir das letzte Woche auf, als ich eine meiner Freundinnen in ihrer neuen Wohnung besuchte: ich hatte noch einen leichten Kater vom Vortag, an dem ich abends nach dem Sport noch spontan im ‚Franziskaner‘ vorbeigeschaut hatte. Wo dann aus einem Bier spontan zwei Gläser Wein und eine Weinschorle wurden. Kann mal passieren, aber eigentlich hatte ich mir deshalb vorgenommen, jetzt mal wirklich eine kleine Trinkpause einzulegen. Als ich reinkam, hatte mir meine Freundin allerdings schon ganz selbstverständlich ein Glas Sekt eingeschenkt (*war trotzdem lecker*) und „Nein“ zu sagen, wäre da irgendwie unhöflich gewesen.

„Dann trinke ich dieses Wochenende halt mal nichts“, dachte ich mir und endete am Samstagabend dann doch wieder mit einem Kumpel und zwei Flaschen Wein in meinem Wohnzimmer. Seit wann verdammt ist es eigentlich so, dass man Freunde und Unternehmungen nur noch mit Alkohol zusammen serviert bekommt? 

Richtig cool ist das eigentlich nicht, wenn man mal bedenkt, dass Alkohol ein Zellgift ist, das auf Dauer das Lebergewebe zerstört, das Gedächtnis weniger leistungsfähig macht und die Nerven schädigt.

Ich habe absolut nichts gegen ein Glas Wein ab und an und ja, manchmal rauche ich auch mal eine Zigarette. #sorrynotsorry. Finde ich in Maßen alles okay. Nüchtern betrachtet trinken wir in unserer Gesellschaft aber leider ganz schön viel. Das hat nicht mehr viel mit Genuss zu tun und das gilt auch für die meisten meiner Freunde und mich.

Was machst du am Wochenende? -Trinken.

Bester Beweis? Wenn man mich fragt, was ich am Wochenende unternehme, lautet die Antwort in der Regel für mindestens einen Abend „etwas trinken gehen“. Okay, manchmal wird das Trinken auch von Essen begleitet, aber im Grunde läuft es auf dasselbe hinaus: Am Ende stehen mindestens zwei Flaschen Wein mit auf der Rechnung. Warum eigentlich? Warum ist Alkohol die Grundzutat bei sozialen Kontakten? Warum muss Alkohol immer so krass dazugehören?

Starring: Moscow Male.

Starring: Moscow Mule.

Wird man gefragt, was man am Wochenende macht und antwortet man darauf selbstbewusst „trinken“, wird man nur selten komisch angeguckt. Ist das der Grund, weshalb wir uns so selten zum Apfelschorle / heiße Schokolade /Tee trinken treffen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind das alles Getränke, die am Wochenende in der Bar leicht merkwürdig und nach ‘Spielverderber‘ klingen, so sehr wird sozialer Freizeitalkoholismus schon toleriert und sogar gewünscht. Das ist doch irgendwie krank.

 

Alkohol ist nicht nur witzig. Das weiß ich von Alkoholikern im entfernten Bekanntenkreis und nein, wenn man wirklich zu viel trinkt, ist man dabei selten so charmant und gut drauf wie Captain Jack Sparrow, denn auch hier wird Alkoholismus wahnsinnig verharmlost und gesellschaftsfähig gemacht.

Ich habe mir deshalb zum Ziel gesetzt, die nächsten sechs Wochen komplett auf Alkohol zu verzichten. Sechs Wochen dauert es, bis man alte Gewohnheiten durch neue ersetzt. Kein Gin Tonic am Samstagabend, kein Glas Weißwein zum Essen, und die Bar… tja, mal schauen, wie es wird, dort als Einzige eine Apfelschorle zu bestellen. Nur weil ich jetzt sechs Wochen auf Alkohol verzichte, werde ich jedenfalls nicht meine Lieblingsbars, Geburtstage und Abende mit meinen Freunden meiden. Das wäre ja noch schöner und damit würde man Alkohol und Spaßunternehmungen nur noch unzertrennlicher machen. Nein, ich ziehe mein übliches Feier- und Ausgehprogramm weiter durch, und mal schauen, vielleicht bleibt von den sechs Wochen Abstinenz ja das ein oder andere hängen. Und falls nicht, kann ich dann pünktlich zur Weihnachtsmarktsaison wieder Glühwein und Lumumba trinken.

Im Urlaub gehört Wein ja irgendwie dazu...

Im Urlaub gehört Wein ja irgendwie dazu…

Sechs Wochen ohne Alkohol – mögliche Effekte

Kein Alkohol – mehr Geld

Wer nicht trinkt, spart. Alkohol ist teuer, besonders, wenn man ihn als Social Event unterwegs trinkt. Für einen Moscow Mule ist man schnell mal eben 12 Euro los.

 

Keine leeren Kalorien

Theoretisch müsste man ohne Alkohol auch abnehmen. Da das aber nicht mein Ziel ist, und ich jeden nicht getrunken Wein großzügig mit Cola, Apfelschorlen und Chai Latte ersetzen werde, dürfte davon nichts zu merken sein.

Besserer Schlaf?

Werde ich schlafen können? Alkohol soll ja bekanntlich die Tiefschlafphase stören, aber wenn ich ehrlich bin, schlafe ich mit dem ein oder anderen Wein intus eigentlich ganz gut. Mal schauen.

Längere Wochenenden 

Kein Sonntag mehr, den man, vom Hangover geplagt, im Bett verbringen muss. Stattdessen werde ich fit und munter aufstehen und… tja, was tut man eigentlich, wenn man am Wochenende nicht ständig mit einem Drink unterwegs ist? Ich werde es sehen…

Cheers mit Schwesterchen

Cheers mit Schwesterchen