Wie ist es eigentlich, wenn man sechs Wochen lang auf Alkohol verzichtet? Die Frage habe ich mir vor knapp zwei Monaten gestellt und was soll ich sagen: Ich kann sie immer noch nicht beantworten, denn ich habe „nur“ fünf Wochen durchgehalten. Was jetzt erst mal nach einem katastrophalen Totalversagen klingt, ist für mich absolut okay. Am Tag meines ‚Bruchs‘ habe ich mich bewusst dazu entschieden, eben weil ich aus dem Versuch gelernt habe, dass Alkohol für mich nur ein Genussmittel ist, und manche besonderen Anlässe möchte ich dann eben doch mit Vino und Schwipps genießen. #sorrynotsorry

Bis zum Abend, an dem ich mich entschieden habe, den Versuch auf (Champagner auf) Eis zu legen, lief alles super und mir hat der Alkohol wirklich kein Stück gefehlt. Klingt jetzt wie eine faule Ausrede, aber ich denke, wenn man auf etwas so problemlos verzichten kann, dann kann man Alkohol wirklich getrost in die Schublade ‚Genussmittel‘ stecken – und sich daran bedienen, wenn einem wirklich danach ist.

Wie ist es, wenn man sechs Wochen lang keinen Alkohol trinkt? Ich weiß es nicht - ich habe nur fünf Wochen durchgehalten.

Wie ist es, wenn man sechs Wochen lang keinen Alkohol trinkt? Ich weiß es nicht – ich habe nur fünf Wochen durchgehalten.

Mein Fazit nach 5 Wochen

1. Machen statt vornehmen

Pünktlich zum Jahresanfang, werden jetzt überall wieder die neuen Vorsätze laut. Die meisten werden schon nach ein paar Wochen wieder ad acta gelegt. Verständlich, denn wer wirklich will, kann jederzeit etwas ändern. Das wurde mir während meines kleinen Selbstversuch klar.

2. Wer es ernst meint, wird auch ernst genommen.

„Heute Abend trinke ich aber echt nicht“ – und nur eine Stunde später torkelst du mit zwei Promille in den Club? Das ging mit auch oft genug so. Wenn du deinen Freunden aber wirklich ernsthaft glaubhaft machst, dass du eine Weile auf Alkohol verzichten möchtest, werden sie dich kaum dazu nötigen. Echte Freunde unterstützen dich.

3. Ich persönlich mag Alkohol…

…und werde deshalb nie zu dem Menschen gehören, die ihn kategorisch verteufeln. Ich mache viel Sport, esse seit 15 Jahren kein Fleisch und lebe ohnehin ziemlich gesund, da sollte so ein kleines ‚Laster‘ schon drin sein. Zumal es mir immer noch am ‚ungesündesten‘ erscheint, alles im Leben in die Kategorien ‚gesund‘ / ‚ungesund‘ einzuteilen. Leute, entspannt euch mal…

4. Alkohol ist Genussmittel und sollte nicht einfach ‚dazugehören‘

Was mich vor meinem Versuch gestört hat, ist, dass man auf fast jeder Feier und zu jeder Veranstaltung kommentarlos ein Glas Sekt in die Hand gedrückt bekommt und sich ernsthaft dafür rechtfertigen muss, wenn man nicht trinkt. Da spiele ich nun nicht mehr mit und trinke nur noch, wenn ich wirklich Lust darauf habe. Weniger, seltener und mit Bedacht.

Ich habe in den 5 Wochen weder 20 Kilo abgenommen, noch bin ich glücklicher, ein besserer Mensch oder ausgeglichener geworden. Ich fand es vor allem mal schön, am Wochenende nicht ständig übermüdet und mit dickem Schädel aufzuwachen, aber auch wenn die besagten Folgen zu viel Alkoholkonsums echt nicht schön sind, muss ich sagen: Manchmal sind sie es mir trotzdem wert.

Genau wie an dem Abend, als ich spontan entschied, meine sechswöchige Versuchszeit auf fünf Wochen zu verkürzen. Das mag jetzt so klingen, als sei ich kläglich gescheitert. Bin ich aber nicht: Ich habe mich den Abend wirklich bewusst dazu entschieden, dass ein Treffen, mit zwei meiner allerengsten Freundinnen, ein guter Anlass ist, um die Vorsätze über Board zu werfen. Zumal wir uns in dieser Dreier-Kombi schon wieder gefühlte Ewigkeiten nicht gesehen hatten. Klar, hätte ich auch auf meine zwei Gläser Wein, die ich den Abend hatte, verzichten können – aber ganz ehrlich – warum? Um mir selbst etwas zu beweisen? Das muss ich nicht. Weder in die eine Richtung („Ich kann fünf Glühwein trinken, ohne zu k***en“), noch in die andere („Ich habe ohne Alkohol auf Partys genauso viel Spaß wie mit Drinks“ – schon klar…).

Cheers to that!