„Such dir eine Arbeit, die du liebst – dann brauchst du keinen Tag im Leben mehr zu arbeiten.“

Dieses Zitat von Konfuzius las ich neulich in einem Artikel der Süddeutschen, in dem Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel über die Wichtigkeit der Mitarbeiterzufriedenheit im Arbeitsleben sprach. So auf den ersten Blick würde ich das fett unterschreiben. Man arbeitet mindestens 40 Stunden die Woche, da sollte man die kostbare Zeit definitiv mit einer Tätigkeit verbringen, die einen erfüllt. Gleichzeitig erinnerte mich das Statement an ein Gespräch mit dem Mitbewohner einer Freundin, mit dem ich mich neulich über künstlerische Berufe unterhalten habe. Der Mitbewohner meiner Freundin, ein ehemaliges Model, der jetzt als Fotograf arbeitet, erzählte, während wir Kaffee tranken, dass er jetzt manchmal noch in Werbespots zu sehen sei. Dort würde er – der nie an der Schauspiele gewesen war – mit Profi-Schauspielern konkurrieren. „Ist das nicht irgendwie frustrierend für die?“, fragte ich ihn. Er zuckte die Schultern. „Die deutschen Theater zahlen mies und Werbespots lohnen sich für Schauspieler finanziell. Es sind am Ende halt nicht nur die Jobs, die Spaß machen, von denen man wirklich leben kann.“

…suche einen Job, den du erträgst?

So einfach ist das vielleicht doch nicht, mit der Liebe zur Arbeit. Künstler sind da für mich das beste Beispiel, weil sie zu 100 Prozent ihre Leidenschaft zum Beruf machen wollen. So viel Leidenschaft bringt auch Schattenseiten mit sich, denn wenn man sich so mit seiner identifiziert, ist man auch leichter verletzt, wenn man kritisiert wird. Oder aber man verdient kaum Geld mit künstlerischer Arbeit. In der Medienbranche musste man sich früher zum Beispiel sogar noch für unbezahlte Praktika bedanken. Ganz nach dem Motto: „Dir macht das doch Spaß, da brauchst du doch kein Geld, oder?“ Schon klar.
Auf der anderen Seite gibt es diese ehrgeizigen Workaholics, die irgendwas arbeiten, was zwar nicht primär mit den eigenen Interessen zu tun hat – Hauptsache gut bezahlt, und Hauptsache, man schiebt so richtig viele Überstunden. Indirekt identifizieren sich aber auch die unpassionierten Workaholics wieder über ihre Arbeit, weil sie so beim Essen mit Freunden so schön gequält erzählen können „wieder so ne 70-Stunden-Woche gehabt“. Und jetzt ’ne Runde Anerkennung für euch.
Irgendwie wird heute kaum noch irgendwo ’nur‘ für den Lebenserhalt gearbeitet. Überall versuchen Menschen Sinn in der Arbeit zu finden, was dazu führt, dass erst ein, zwei, drei Studiengänge abgebrochen werden, ehe man dann den finalen weiteren Bildungsweg für sich gefunden hat. Manchmal gibt es den gesuchten Sinn nur leider gar nicht, weil man dafür erst mal eine Runde bei sich selbst suchen müsste.
Mir ist ein Licht aufgegangen...

Mir ist ein Licht aufgegangen… @https://www.britaplath.com

Ich glaube, dass Menschen heutzutage mitunter viel zu viel von ihrem Beruf erwarten. Klar, wenn man sich mit seiner Arbeit so gar nicht identifizeiren kann, ist das bestimmt nicht gesund. 5 Tage die Woche nur auf das Wochenende hinzuarbeiten, das dann viel zu schnell vergeht – ich glaube kaum, dass das glücklich machen kann.
Man sollte dabei aber trotzdem nicht vergessen, dass man nicht nur daran gemessen wird, was man im Beruf erreicht hat und dass dieses ewige Suchen nach einem „Job, der zu mir passt“, ein echtes Luxusproblem ist, von dem die meisten Menschen nur träumen können. Es gibt schließlich immer noch genügend Länder, in denen man gar keine Wahl hat und ‚Arbeit‘ einfach ‚Arbeit‘ ist (was sich  übrigens in vielen Sprachen vom Lateinischen ‚labor’=Mühe (!) ableitet) und man nur stumm hofft, dass das Geld zum Leben reicht. Warum machen wir es uns also in einem Land, in dem es geregelte Arbeitszeiten und Mindestlöhne gibt, so verdammt schwer? Zumal es ja noch dieses eine Phänomen gibt, das sich ‚Freizeit‘ nennt. Wenn ich einen langweiligen Job habe, kann ich mir immer noch spannende Hobbys zulegen…

Suche dir einen Job, mit dem du lieben kannst.

Das soll jetzt nicht heißen, dass mir mein Job egal wäre. Ich habe das Glück, das arbeiten zu können, was mir wirklich Spaß bringt. Das ist toll, dafür bin ich dankbar ABER: Ich bin mir sicher, dass ich auch ohne meinen Job ‚ich‘ wäre und ziemlich viel Spaß hätte.  Diese neue Suche nach DEM Job, dem perfekten Job, in dem wir uns voll und ganz ausleben können, nichts zu jammern haben und dennoch genug Geld verdienen, ist meiner Meinung nach, eines dieser typischen Phänomene der Millennials. So wie wir uns fragen „Ist Berlin oder Hamburg meine Stadt?“, „Ist der Typ hier echt der richtige, oder kommt bei Tinder noch ein besserer?“, suchen wir nach einem Job, der uns etwas geben soll, was einfach nicht in uns zu finden ist.

Wer sein Leben liebt, braucht keine Arbeit, um sich lebendig zu fühlen. Gleichzeitig wird man sein Leben kaum lieben können, wenn man den Großteil der Zeit in einem Job verbringt, den man nicht mag. Insofern gehe ich d’accord mit Konfuzius. Nur würde ich diese kleine Sache anmerken: „Such dir eine Arbeit, die du liebst – oder halt eine, die deiner Liebe zum Leben nicht im Weg steht.“