Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn man junge Mädels nach ihrem Berufswunsch nach dem Abi fragt, wird so ziemlich jede dritte bis vierte „Modejournalistin“ antworten, jede Zweite „was mit Medien“. Klingt ja auch wie ein echter Traumjob: Sich den ganzen Tag mit schönen Sachen wie Kosmetik, den neuesten Labels und den Models der Stunde zu beschäftigen, und dafür auch noch bezahlt werden… Dass das Leben als Modejournalistin doch nicht ganz so rosarot-romantisch ist, zeigen zwar Bücher wie „Der Teufel trägt PRADA“ oder bemitleidenswerte Praktikumsberichte aus der Branche, aber so richtig daran glauben will man nicht. Bei Carrie aus SATC sah das doch alles so spaßig aus.

Traumjob Moderedakteurin? Es geht…

Ich bin Redakteurin für eines der größten Frauen-Webportale in Deutschland, deshalb kurz zur Beruhigung: So schlimm, wie der Job bei „Der Teufel trägt Prada“ dargestellt wird, finde und fand ich mein Leben als Redakteurin auf gar keinen Fall. Überhaupt nicht! Ich gehe jeden Tag gern zur Arbeit und auch bei meinen vorherigen Arbeitgebern hatte ich immer eine wunderschöne Zeit und nette Leute um mich. Meistens macht man auch wirklich schöne Dinge, bekommt massenweise Kosmetik zugeschickt und kann die neuesten Sachen (alles vom Turnschuh bis zum Lebkuchen) schon Monate bevor sie im Laden erscheinen, testen. Alls gut so weit. Einziges Manko ist, wenn man mich fragt, der Werdegang: Um Redakteurin zu werden, braucht man ganz schön viel Geduld. Und Eltern, die einem ein Praktikum nach dem anderen finanzieren und – im besten Fall – auch noch für ein teures, bereits hochspezialisiertes Studium aufkommen. Mit dem man am Ende nicht mal unbedingt einen Job findet.

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Man kann natürlich sehr froh und dankbar sein, wenn man solche Eltern hat und ich will Mädels, bei denen es so gelaufen ist, auch an keiner Stelle schlecht machen. Es gibt genug Absolventinnen des Modejournalismus’ die ordentlich was im Köpfchen + einen unfehlbaren Geschmack haben, und die blöden Sprüche sexistischer Kollegen à la „Ah, so ein Modepüppchen“ echt nicht verdient haben. Mal abgesehen davon, müssen sich auch Privatabsolventinnen beweisen und es gibt genügend Mädels, die nach fünf Jahren Studium und fünf unbezahlten Praktika immer noch ohne Job dastehen. Ganz ohne Talent geht’s halt nie.

Was ich dennoch schade finde ist, dass Mädels, die unbestreitbar Talent zum Schreiben und ein Gespür für Mode und Trends haben, auf dem Medienmarkt – insbesondere dem „Mode-/Frauen-/Beauty-Journalismus“ – leider oft auf der Strecke bleiben. Ich sage bewusst „oft“, denn wenn man es wirklich will, kann man es mit ein bisschen Druchhaltevermögen, Biss und viel Fleiß, auch so schaffen.

Redakteurin werden: So klappt der Quereinstieg

Meine Eltern haben mir früher zum Beispiel verboten, einen Studiengang wie „Modejorunalismus“ zu wählen. Das wäre früher definitiv meine erste Wahl gewesen, aber für meine doch eher bodenständigen Eltern klang das viel zu abgehoben und unrealistisch. Deshalb habe ich mich dann also für etwas Grundsolides wie „Lehramt“ (Gymnasium für Französisch und Philosophie) entschieden (natürlich nicht ohne vorher stundenlang zu googeln, mit welchem Studium man die besten Chancen auf einen Quereinstieg hat. Wen’s interessiert: Mit Jura, Lehramt und bereits spezialisierten Fachrichtungen, über die ihr später schreiben wollt, macht ihr nie etwas verkehrt…). Und obwohl meine Eltern völlig beruhigt waren und sich wohl dachten „Ist das Mädchen endlich zur Vernunft gekommen“, hat mich das Lehramtsstudium, das ich gar nicht mal so uninteressant fand, nicht von meinem eigentlichen Berufswunsch abbringen können. Um Erfahrungen zu sammeln, habe ich mich also für jedes auch nur entfernt redaktionelle Praktikum beworben.

Weil man da mit einem fachfremden Studium gar nicht so einfach rankommt, habe ich schon vorher alles Mögliche gemacht, um redaktionelle Erfahrungen zu sammeln und neben dem Studium für die Studentenzeitung geschrieben. Mit den Artikeln hatte ich schon mal erste Referenzen, mit denen ich mich weiter bewerben konnte. Und weil ich schon immer gern Geschichten geschrieben habe, suchte ich nach einem passenden Verlag für mich. Nach gefühlt 2.000 Absagen, hatte ich dann endlich Glück und konnte mit 22 Jahren einen Verlag für mein erstes Buch finden.

Von da an, ging alles einigermaßen einfach. Meine Bücher waren so etwas wie die Eintrittskarte in die schöne bunte Praktikumswelt der Medien. Was ich dabei aber ziemlich schnell lernte: Ein sehr gut absolviertes Praktikum heißt noch lange nicht, dass man dich am Ende übernimmt (keine Vakanz und so…), aber immerhin ist ein Praktikum immer die Eintrittskarte für das nächste Praktikum. (Juhu… nicht.) Und das übernächste und das über-übernächste. Und irgendwann klappt es dann auch mit dem festen Job und einem eigenen Gehalt, von dem man nach ein paar Jahren dann endlich auch mal leben kann. Wer clever ist, lässt sich bis dahin nicht ausschließlich von Mama und Papa finanzieren, sondern versucht seine Leidenschaft schon ein bisschen zu Geld zu machen. Große Verlage freuen sich eigentlich immer über Werkstudenten, und auch wenn man dort nicht viel mehr als ein kleines Taschengeld verdient, macht sich das später super in der Bewerbung. War zumindest bei mir so. Dass ich in meiner Zeit als Werkstudentin eigentlich nur stumpf Bilder per Photoshop für Facebook zuschneiden musste (und jetzt ’ne pfiffige Zeile, bei der jeder klickt!), weiß ja keiner.

Mit den ganzen freiwilligen Praktika neben dem eigentlichen Studium macht man sich zwar doppelt Arbeit, aber immerhin hat man dafür am Ende auch doppelt gelernt. Fachlich, sich durchzusetzen und sowieso. Ich bin meinen Eltern mittlerweile echt „dankbar“, dass sie mich früher zu meinem Lehramtsstudium motiviert haben. Wer weiß, ob es mir in zwanzig Jahren noch Spaß bringen wird, Texte wie diesen hier zu schreiben und wie gesagt: Lehramt ist perfekt für Quereinsteiger, nicht nur für diejenigen, die am Ende etwas mit Medien machen wollen. Wenn man etwas richtig will, findet man ohnehin immer einen Weg. Da bin ich mich ganz sicher. Auch wenn man dann vielleicht um zehn Ecken und drei Extrakurven gehen muss, aber irgendwann kommt man schon an.