Mit Rom und mir war es ein bisschen, wie man sich ein gelungenes erstes Date vorstellt: wir waren nur kurz auf einen Kaffee verabredet – eigentlich hatte ich nicht viel Zeit, weil ich direkt aus der Toskana kam, von Rom aus nur zurück nach Hamburg fliegen wollte und allenfalls den Flughafen zu sehen bekommen sollte. Aber dann bezirzte mich Rom mit seinem unverwechselbaren italienischen Charme, wir verquatschten uns, das Date wurde immer länger und am Ende verpasste ich meinen Flug. War zwar ein teurer Spaß (und es gibt definitiv Schöneres, als bei der Arbeit anzurufen, dass du deinen Urlaub spontan um einen Tag verlängern musst), aber im Prinzip soll es ja so sein, wenn man jemanden kennenlernt: Man muss zusammen Zeit, Pflichten und Alltag vergessen können.

Das war unsere erste Begegnung und für mich war damals schon klar, dass mein nächster Städtetrip definitiv zu Cäsars Nachfahren gehen sollte. Also setzte ich mich letzte Woche direkt nach der Arbeit ins Flugzeug.

Lieber Hamburger Flughafen, du bist eine Zumutung.

Von Hamburg aus gibt es nach Rom wirklich nur sehr, sehr besch…eidene Flugverbindungen. Das muss man bei allem Hamburg-Patriotismus ja auch mal sagen dürfen. Da ist nicht viel mit „Lass uns mal spontan am Wochenende überlegen, welche Stadt wir mal besuchen könnten“, wie man das in anderen Großstädten so kann. Hier ist jeder Kurztrip mit stundenlangen Vor-Recherchen verbunden und selbst dann dauert ein Flug von Hamburg nach Rom  (R-O-M. Ja, ich meine Rom, die Hauptstadt von Italien) noch 8 Stunden mit einem 4,5-stündigen Zwischenstopp in Düsseldorf. Träumchen.) So viel zum „Tor der Welt“, da scheint die Pforte eher verschlossen zu sein.

Trotzdem lohnt sich die Flugzeit, für die man auch schon problemlos nach Thailand o.ä. kommen würde, und man wird schon bei der Ankunft mit einem Gefühl von Dolce Vita belohnt. Die Luft ist hier auch im März schon so mild wie in Hamburg an warmen Juliabenden und die italienischen Taxi-Fahrer versprühen gekonnt ihren Charme. Einer von ihnen erklärt mir ganz uneigennützig wie ich vom Flughafen am günstigsten zum Bahnhof ‚Termini‘ komme (Achtung Touristenfalle: Der Shuttle-Bus ist natürlich viel teurer als die normalen Busse). Kennt man gar nicht mehr, dass einem so ganz umsonst geholfen wird, finde ich.

Die Bahnpreise sind eine echter Traum, muss dazu mal gesagt werden. Für 1.60 Euro darf man mal eben 100 Minuten Bahn fahren und überhaupt so lange unterwegs zu sein ist im doch eher beschaulichen Rom schon eine echte Kunst.

Must-Sees in Rom

Ich war insgesamt 5 Tage lang in der italienischen Hauptstadt und hätte locker noch mal doppelt so lange da bleiben können. Allein wegen des Essens, aber auch die Baukunst lässt mich nicht ganz unbeeeindruckt. Bei so alten Bauten, wie dem Colosseum, dem Pantheon und Co., kann man es gar nicht fassen, wie die Menschen vor über 2.000 Jahren so etwas von Hand geschaffen haben können. Schon gar nicht, wenn man sieht, wie lange die Leute heute noch mit Elbphilharmonie und Berliner Flughafen beschäftigt sind (*hust hust*).

Was hier etwas störend ist, sind die elendig langen Menschenschlangen vor den Gebäuden. Wenn man nur  5 Tage da ist, kann einen das Warten vor dem Vatikan dann schon mal eben 1/5 des Gesamtaufenthalts kosten. Muss man wissen, ob einem das die Sache wert ist; mir ist es das nicht und so begnüge ich mich bei den meisten Attraktionen damit, von draußen einmal drüber zu schauen.

Vieles ist ja eh umsonst, wie die Kuppel des Pantheons, einmal die Spanischen Treppe hoch oder sich am Trevi-Brunnen etwas zu wünschen. Beim Essen gehen treffen wir abends auf eine Reisegruppe, die uns erzählt, man könne vorab über das Internet einen Guide buchen. Das kostet wohl 150 Euro. Das kommt mir erst mal relativ viel vor, bis mir die Gruppe erzählt, dass bei der geführten Tour alle Eintritte inklusive sind. Dann geht’s ja doch wieder, obwohl ich doch ganz froh bin, die 150 Euro in Essen und Shopping gesteckt zu haben.

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Shopping- und Essens-Tipps für Rom

„Kann mir mal eben jemand 10.000 Euro in die Hand drücken, damit ich los shoppen kann?“ Das denke ich, als ich die ‚Via del Corso‘ hinunter schlendere. Hier gibt es so ziemlich jedes Label, das man jemals als Anzeige in seiner persönlichen Lieblingszeitschrift gesehen hat. Und darüber hinaus gibt es noch all die niedlichen Seitengassen mit ihren bezaubernden Boutiquen.

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Überteuerte Taschen für günstig(er), individueller Schmuck und Flohmarkt-Highlights

Ich gebe es zu, ich habe leider, leider ein Faible für Handtaschen. Von mir aus dürfen die auch ruhig ein bisschen teurer sein, denn wenn man so eine Céline- oder Chloé-Tasche trägt, ist der Rest des Outfits quasi egal. Deshalb raste ich fast aus als ich per Zufall auf ‚Vendôme Luxury Bags‘, einen Luxustaschen-Secondhandshop in der ‚Via IV Novembre‘ stoße. Der Laden hat von Balenciaga über Louis Vuitton, Prada bis Yves Saint Laurent jedes erdenkliche Luxus-Label mit jeder It-Bag, die es je gab. Ich verliebe mich kurz in eine gebrauchte Prada-Tasche aber die wird mir zum Glück wieder ausgeredet. („Sieht wie ‚ne Oma-Tasche aus, voll trutschig.“) Glück gehabt, bleibt mir mehr Geld für Pasta und Dolce Vita.

Mercato Monti

Ich bin ein großer Fan von Flohmärkten, weil man dort immer Sachen findet, die nicht jeder hat. Das ist schon so, wenn man in Hamburg auf dem Schanzenmarkt oder in Berlin am Mauerpark unterwegs ist. Wenn man in Rom auf Flohmärkten herum stöbert, verringert sich die Chance natürlich noch weiter, dass du jemanden, der dein Lieblingskleid trägt, triffst. Kein Wunder also, dass ich vor Freude fast ausflippe, als wir während unserer Suche nach dem Colosseum zufällig auf den Mercato Monti, einen wirklich zauberhaften Designermarkt stoßen. Meine Highlights hier sind gebrauchte, abgerockte (und somit ziemlich coole) Levi’s-Jacken und handgemachte Kleider. Ich schlage auch sofort zu und kaufe mir einen handgenähten Blouson, den ich den restlichen Urlaub über nicht mehr ausziehe.

Rom: Pasta-Paradies und Weinquelle

Meiner Meinung nach kommt nichts, wirklich NICHTS, weder der fancy neue Vegan-Burger-Laden, noch das „All you can eat“-Sushi-Restaurant an der Ecke, an die Italienische Küche heran. Italienisches Essen ist so herrlich unkompliziert, frisch und leicht, und nach der Pasta hier fühlt man sich auch nicht so abgefüllt und geplättet wie nach den Nudeln, die man in Deutschland so zu essen bekommt. Liegt wahrscheinlich daran, dass in den meisten italienischen Lokalen in Deutschland alles in Soße zerkocht wird, die wiederum in Sahne und Öl zertränkt ist. Hier kann ich dagegen problemlos auch um 22.30 Uhr noch eine Portion Pasta essen und fühle mich danach kein Stückchen schlecht. Dass ich genau das hier jeden einzelnen Abend getan habe, brauche ich nicht extra zu erwähnen, oder? Ist ja Urlaub und ich glaube eh nicht daran, dass Kohlenhydrate schlecht sind. Bester Beweis sind die Italiener selbst, bei denen der ganze Glutenfrei-LowCarb-Paleo-Trend noch nicht angekommen zu sein scheint und die trotzdem fitter aussehen, als die meisten verbissenen Leute, denen man hier so über den Weg läuft.

Von all den italienischen Restaurants, die wir an 5 Tagen Rom getestet haben, fand ich ‚Gli Angeletti‘ in Monti am besten. Hier sitzt man herrlich gemütlich zwischen Heizstrahlern auf der Terrasse während man das Treiben auf der Straße beobachten kann. Das Bruschetta hier vorweg ist ein Traum (und kostet nur 3,50, trotz Büffelmozzarella) und die Auswahl der Pasta ist so fantastisch, dass ich mich gar nicht entscheiden kann. Ich meine aber, meinen Favoriten am Ende doch noch gefunden zu haben: Penne Puttanesca, eine Soße aus Tomaten, Oliven und Kapern.

Neben Nudeln gehört natürlich auch Eis zum kulinarischen Standard-Essen im Italienurlaub. Ziemlich frech-geiles Eis gibt es in der ‚Gelateria S.M. Maggiore‚. Meine Favoriten hier sind Apfelstrudel und Joghurt-Pistazie. Die 3,60 Euro für zwei große Kugeln im Becher finde ich absolut legitim.

Pasta neu

Abends sind wir ganz per Zufall in eine ziemlich großartige Weinbar gestoplert. Eigentlich wollten wir nach dem Abendessen (Pasta, was sonst) nur noch einen Cocktail trinken, aber die Römer haben es wohl nicht so mit Longdrinks und Bars. Zumindest auf der Ecke, wo wir den Abend unterwegs waren. Als wir uns gerade schon damit abgefunden hatten, heute wohl nichts mehr zu trinken (außer der obligatorischen Flasche Wein, die es schon zum Essen gab), kamen wir dann am ‚Astemio Wine & Food‚  vorbei. Eine Flasche richtig guten Wein gibt es hier schon für 11,40 Euro. Dazu gibt es noch einen Teller mit kleinen Blätterteigtaschen. Kann es so was nicht bitte auch in Deutschland geben?

Einziger Vorteil wieder hier in Deutschland zu sein – abgesehen vom Urlaubsalkoholismus, der bei mir immer ein bisschen ausbricht und bei 11,40 Euro-Weinflaschen natürlich umso verlockender ist – ist, dass meine Füße am Ende echt nicht mehr konnten. Man geht in Rom so wahnsinnig viel, weil es so viel zu sehen gibt, dass man gar nicht merkt, wie fertig man eigentlich schon ist. Aber so ist das ja immer mit guten Dates, deshalb war es bestimmt auch nicht mein letzter Besuch hier.

Ciao Amore, ich komme wieder.