„Was für eine Ernährungsform hast du?“ „Machst du Paleo? HighCarb, LowFat?“

Wer ab und zu Bilder von sich beim Sport auf Instagram postet, kennt solche Nachrichten. Die Antwort ist bei mir relativ simpel: „Nichts davon – und trotzdem passe ich noch in meine 10 Jahre alten Jeans.“ Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit meiner meistens ganz gesunden Ernährung und meiner Liebe zum Laufen zu verdanken.

Ich habe aber nicht immer so gesund gelebt. Es gab auch Zeiten, in denen ich viel zu dünn war, weil mir bei Stress und Streit schon immer der Appetit verging, und Zeiten, in denen ich hauptsächlich von Süßigkeiten gelebt habe. Besonders zum Abi habe ich immens viel genascht und manchmal fast ganze Mahlzeiten durch Süßigkeiten ersetzt. Man hat halt abends nicht mehr so viel Hunger, wenn man nachmittags gerade erst eine Packung Kinderriegel gegessen hat. (Das Phänomen ist auch an der Uni ganz schön weit verbreitet, wie ich später bemerkt habe.)

Dicker war ich damals nicht wirklich, weil man mit 19 Jahren ja ohnehin noch problemlos alles essen kann, aber etwas richtig Gutes tut man sich damit trotzdem nicht. Je öfter man sich mit Süßigkeiten vollstopft, desto mehr verlangt der Körper danach und man bekommt irgendwann ständig Heißhungerattacken und auch wenn das Gewicht gleich bleicht, wird die Haut schlechter, man ist müder, und irgendwie ist es einfach ein ekliges Gefühl, sich schon wieder an Schokolade satt gegessen zu haben.

So ernährst du dich ganz ohne Stress gesünder

Mir ist es gar nicht wirklich aufgefallen, wie viel ich nasche, bis ich nach dem Abi als Au-pair nach Frankreich ging. Meine Au-pair-Kinder waren noch ziemlich klein und wie es so ist mit Kleinkindern, achtete ihre Mama darauf, dass nicht zu viel genascht wird.

Morgens wurde also gefrühstückt, mittags gab es ein kleines Mittagessen, um 17 Uhr ein ‚goûter‘ (das ist so eine Art Mini-Mahlzeit nur für Kinder) und abends sehr spät das Diner mit drei Gängen, Wein für die Eltern und meistens einem ziemlich g***len Dessert. Wenn meine Au-pair-Kinder zwischendurch nach Süßigkeiten gefragt haben – einem Eis oder einem Stück Schokolade – gab es die, aber danach war dann auch Schluss. „In zwei Stunden gibt es eh Abendessen“, hieß es dann.

Solche Regeln gibt es bei Familien mit kleinen Kindern häufig (zumindest bei verantwortungsbewussten Eltern). Ich kann mich auch noch gut an meine Kindheit erinnern, in der es im Urlaub auch hieß: „Nein, es gibt jetzt kein zweites Eis.“

Eltern passen, wenn sie ihren Job gut machen, in der Regel auf, dass ihre Kinder sich an den richtigen Sachen satt essen, Süßigkeiten bewusst genießen und einen natürlichen Umgang mit Essen erlernen. Im Erwachsenenalter vergessen wir aber manchmal, was uns als Kind beigebracht wurde. Ist ja auch super, plötzlich komplett für sich selbst verantwortlich zu sein, und so viel Quatsch machen zu dürfen wie wir wollen: Alkohol trinken, nach Belieben rauchen oder auch nicht, sich mit Süßigkeiten vollstopfen… besonders wenn wir jung sind, kosten wir all das erst mal richtig aus.

Mich machen Nudeln heute viel, viel glücklicher als Süßigkeiten.

Mich machen Nudeln heute viel, viel glücklicher als Süßigkeiten.

Das fiel mir auf, als ich als Au-pair nach dem ersten Eis der Kinder die Rolle meiner eigenen Eltern von früher nachspielen und sagen musste: „Nein, jetzt ist Schluss mit Naschen.“ Ich habe dann selbst nach und nach „Nein“ zu mir gesagt und aufgehört, so viel ungesundes Zeug in mich reinzustopfen.

„Würde ich meinen Kindern erlauben, das zu essen?“

Die Frage sollte man sich bei Heißhungeranfällen, wenn man kurz davor ist, die Packung Schokolade aufzureißen, stellen. Möglich, dass man die Packung aufreißt und sich ein Stück abbricht – ganz aufessen würde man sie aber nicht. Wenn wir anderen Menschen gegenüber verantwortlich sein können, warum sollten wir dann nicht mit uns selbst starten?

Mir hilft diese Frage dabei, in der Ernährung die Balance zu halten, mir ab und zu etwas zu gönnen, ohne dabei komplett die Kontrolle zu verlieren. Dann ist es auch gar nicht großartig nötig, sich zu irgendeiner ‚Instagram-Ernährungsform‘ zu bekennen, versprochen!