Surfen und ich – wir haben ein nicht so ganz gesundes Verhältnis. Man könnte auch sagen, es ist eine Hass-Liebe oder – noch passener – On-Off-Beziehung, denn mal brenne ich total für den Sport, bei dem man so ganz nebenbei (und mit viel Spaß) braun wird,mal finde ich nichts schrecklicher, als mich im kalten, müffelnden Leih-Neoprenanzug, in den hoffentlich, bitte, bitte, keiner reingepinkelt hat, mich durch die Fluten zu kämpfen und am Ende nach maximal 3 Millisekunden aufrechten Standes, dann eh sofort wieder runterzufallen. Eine Ladung Salzwasser voll in den Mund, YEAH! Man könnte also sagen, unsere Beziehung ist nicht so stabil: 2005, als meine Freundinnen und ich zum ersten Mal in einem Surfcamp in Vieux Bouceau waren, hatten wir einen ziemlich miesen Start (während die anderen ihren Surfkurs hatten, lag ich konsequent am Strand und habe gelesen), letztes Jahr war ich in Lissabon und stand eine ganze Woche lang unermüdlich auf dem Brett, bis ich dann doch wieder genug hatte. Deshalb war ich auch ein kleines bisschen skeptisch als mir meine Freundin Lauri diesen Frühling vorschlug, zusammen eine Surf-und-Yoga-Reise zu machen. Man muss dazu sagen, Lauri und ich haben eine Art Fernbeziehung. Seit wir 2007 das Abi gemacht haben, haben wir nicht mehr in derselben Stadt studiert. Au-pair, Studium, Arbeit – uns verschlug es immer woanders hin und so hat es sich irgendwie seit 5 Jahren eingebürgert, dass wir wenigstens einmal im Jahr zusammen Urlaub machen (ihr wisst schon, Fernbeziehung und Entfremdungsgefahr…) Deshalb, und weil die Surf Yoga Lodge im Naturpark Sintra-Cascais (ca. eine Stunde von Lissabon) weniger nach Bootcamp als nach romantischer Wellnessoase aussieht, stimmte ich Lauris Vorschlag zu. Warum nicht? Sollte mich wieder mal meine Motivation für’s Surfen verlassen, könnte ich ja immer noch Yoga machen. Oder halt faul in der Sonne liegen. So.

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Weil Lauri in München wohnt, bin ich von Hamburg aus allein angereist. Von Lissabon kommt man ganz unkompliziert mit dem Zug nach Sintra. Von dort aus wurde ich von einem der Jungs aus der ‚Lodge‘ abgeholt. Auf dem Weg machten wir gleich noch einen kleinen Schlenker an den Strand Praia das Macas, wo mir noch kurz die besten Restaurants gezeigt wurden. (Ganz klarer Favorit: Das Nortada! Unfassbar leckere Nudel- und Fischgerichte und der Ausblick auf das Meer ist einfach fantastisch!) Dann ging es weiter in die Lodge.

Das Surf-Yoga-Wellnesshotel hat mich dann irgendwie doch sehr überrascht. Und das, obwohl ich Lauras Buchungs-Skills eigentlich einigermaßen vertraue, denn bisher hatten wir im Urlaub noch nie wirklich Pech mit unserer Unterkunft. Trotzdem; seit meinem ersten Surfurlaub 2005, in dem ich in einem sandigen Zelt schlafen und in Gemeinschaftsduschen den Sand auch eher so mittelmäßig vom Körper loswurde, hatte Surfen für mich ungefähr so viel Glamour wie der Gang zum Flaschencontainer. Die Lodge ist dagegen wirklich super gemütlich: Die Zimmer sind klein, aber liebevoll eingerichtet, sodass man sich bei jedem zweiten möbel- oder Dekostück denkt: „Oh wie süß, das will ich auch…“ (Ich habe tatsächlich ziemlich viele Fotos als Inspiration für meine Wohnung gemacht; da kommt nicht mal Instagram mit…)

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In der Lodge kommt man endlich mal runter. Ich habe sonst leider ziemlich krasse Schlafstörungen und schlafe selten mal eine Nacht durch, weil ich meistens irgendwie befürchte, dass ich etwas verpassen könnte. In der Lodge ist man aber so im Einklang mit der Natur, dass man abends das Gefühl hat, wirklich ganz bei sich zu sein und tiefenentspannt ins Bett fällt. Dass man schläft wie ein Stein, kann aber auch gut an den 3-4 Stunden Sport liegen, auf die man hier mit Yoga- und Surfkurs locker kommt. Dazu sind die Leute wirklich nett. Während ich nachmittags so auf Lauri wartete, habe ich mich ein bisschen mit dem Betreiber der Lodge, Ralph, unterhalten. Das Surf-Yoga-Hotel war immer sein großer Traum, erzählte er, und vor ein paar Jahren hat er es sich dann endlich getraut. Fand ich ziemlich beeindruckend und mutig. So einen geheimen Traum hat ja wahrscheinlich jeder von uns, aber wie viele von uns trauen sich bitte, so etwas durchzuziehen?

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Am nächsten Tag (Lauri kam abends an und wir haben noch kurz ein Gläschen Wein getrunken), ging es dann direkt mit dem Surfen los. Weil die Surflehrer uns natürlich die besten Wellen zeigen wollen, fährt man morgens, je nachdem, wo der Wind besonders gut ist, im Bus zum Strand. Dort steht man da gut zwei Stunden auf dem Brett (oder versucht es zumindest), ehe es dann mittags wieder zurück geht.
Abends um 18.00 Uhr versammelten wir uns zum Yoga und ich muss sagen, die Yoga-Klassen bei Masha und Ines haben mich echt angefixt. Schon der Raum, in dem die Kurse stattfanden war großartig; offen und an den Garten angrenzend. Romantischer geht’s ja kaum.
Zum Yoga hatte ich vor dem Urlaub eine ziemlich viel klarere Einstellung als gegenüber dem Surfen. Yoga fand ich einfach immer doof, überflüssig, Zeitverschwendung. Warum eineinhalb Stunden lang in statischen Posen verharren, wenn man doch auch einfach eine Stunde lang laufen gehen kann? Stichwort Effizienz und so? Im der Lodge hat mich das Yoga aber so angefixt, dass ich letztlich nur nur zwei Mal surfen und stattdessen zwei Mal täglich beim Yoga war (einn Kurs gab es morgens um 7, einen abends um 18 Uhr). Theoretisch hätte ich es so auch noch zum Surfen geschafft, aber um ehrlich zu sein, war mir das Wasser einfach wieder mal vieeeeel zu kalt, das Meer zu salzig und der ganze Sport zu – sagen wir mal ‚brutal‘. Macht ja aber nichts. Man kann halt nichts alles haben und irgendwie ist es doch auch schön, wenn man merkt, welche Art von Bewegung einem liegt und momentan gut tut und welche halt nicht.

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Bei mir hat die eine Woche in der Lodge echt Freude am Yoga geweckt. So sehr, dass ich auch jetzt, 5 Monate nach dem Urlaub, immer noch regelmäßig zum Yoga in Hamburg gehe. Und das will, bei mir als Menschen, bei dem Begeisterung gern auch mal in Phasen und On-Off-Beziehungen verläuft, echt was heißen.