Irgendjemand hier, der in Hamburg aufgewachsen ist und noch nie in Dänemark war? Wahrscheinlich nicht! Das liegt wohl daran, dass man bei guter Verkehrslage fast schneller bei unseren nordischen Nachbarn ist, als in Berlin. Meine Eltern haben meine Schwester und mich deshalb früher mindestens einmal im Jahr auf die Autorückbank gesetzt, das Radio sehr laut aufgedreht, (damit sie uns von hinten nicht mehr hören…), und sind mit uns Richtung Norden gefahren. Schon damals habe ich die dänische Gemütlichkeit, Lakritzstangen, Softeis und das Meer geliebt – was dann im Erwachsenenalter dann aber leider irgendwie ein bisschen in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht weil es irgendwann „in“ geworden ist, sich Thailand oder Südafrika auf die Reiseliste zu schreiben und alles, was weniger als 10.000 Kilometer entfernt ist, „uncool“ zu finden. Wie dumm eigentlich, wenn man nur sechs Stunden Zugfahrt von einer so schönen Stadt wie Kopenhagen und ganz großen Glücksgefühlen entfernt ist.

Letztes Wochenende habe ich spontan Rudi eingepackt und bin mit ihm in die dänischen Hauptstadt gefahren. Von Hamburg aus sind es nur sechs Stunden und knapp 80 Euro mit der Bahn – kann man also gern mal machen.

Sobald man vom Kopenhagener Bahnhof die Straße betritt, hat man sofort das Gefühl in einer anderen Welt zu sein: Hier ist die Welt noch so in Ordnung, die Leute auf der Straße gehen langsamer und wirken weniger gestresst, man fährt Fahrrad statt mit dem Auto und die Luft riecht so herrlich nach Meer.

Auch sonst hat mich Kopenhagen voll überzeugt. Hier sind meine Gedanken zur ultra-gemütlichen Stadt unserer nordischen Nachbarn:

1. Ach, SO funktionieren Radwege!

So, liebes Hamburg, sieht es aus, wenn Radwege wirklich gelungen sind. Hier muss man, anders als im Mühlenkamp und Co., keine Angst haben, spontan umgenagelt zu werden. Die Radwege sind hier genauso breit wie der Fußgängerweg, gut überschaubar, ganz eindeutig von der Straße abgetrennt und werden auch nicht von Autos zugeparkt. So bringt Radfahren Spaß!

Kleine Randnotiz: Das sollte es auch, denn die Öffis sind hier – wie eigentlich alles – ziemlich pricy. 

Fahrradstadt Kopenhagen

Fahrradstadt Kopenhagen

2. Gönnt euch!

Eine Zimtschnecke für 25 Kronen (=3,50 Euro), ein Kaffee für 35 Kronen (=knapp 5 Euro), Hotelübernachtungen für 120 Euro die Nacht (und das für 2 Sterne)… So ein richtiges Schnäppchen ist Kopenhagen nicht. Ich habe irgendwann lieber aufgehört, im Kopf zu überschlagen, wie viel Euro mein Eis, mein Einkauf oder die Ohrringe kosten. Anders verdirbt man sich nur den Spaß im Urlaub, denn für ein Frühstück allein, kann man schon mal ganz easy 25 Euro ausgeben. Zum Glück kann man hier alles, sogar die kleinsten Beträge, mit EC-Karte zahlen. Das lenkt ab 🙂

Immerhin schmeckt das 5-Euro-Eis

Immerhin schmeckt das 5-Euro-Eis

3. … und noch ein Shop, den es in Deutschland nicht gibt!

Die Kopenhagener haben die coolsten 2d-Hand-Läden. Ganz besonders angetan haben es mir das ‚Prag‚ in der Nørrebrogade (mega Vintagekleider und neuer Schmuck!) und der ‚Times up Shop‚ in der Krystalgade. Was man hier spart, gibt man dann halt beim nächsten Frühstück wieder aus.

Shopping-Rudi

Shopping-Rudi

4. Voll hygge!

„Hygge“ ist ja DAS Instagram-Trendwort für die gemütlichen Dänen und tatsächlich scheinen die Uhren hie langsamer zu ticken. Die Leute sind angenehm entspannt, die Innenstadt ist nicht so nervig überfüllt und die Verkehrsteilnehmer halten sich tatsächlich an so Dinge wie rote Ampeln und Stopp-Schilder. Nachteil: Die Bürgersteige werden selbst am Samstag, Shoppingtag Nummer 1, in manchen Stadtteilen schon um 16 Uhr hochgeklappt. Na ja, wirtschaftlich haben die Kopenhagener es anscheinend ja eh nicht so nötig.

5. Lieblingsladen? Der Kiosk um die Ecke!

Wenn gar nichts mehr geht, gibt’s zum Glück immer noch Kiosk. Die haben in Kopenhagen wirklich rund um die Uhr auf und viel g**leres Zeug als Zuhause – sogar Oatmeal und Smoothies für die gesundheitsbewussten Dänen.

Der Kiosk kann was.

Der dänische Kiosk kann was.

 

6. Wer braucht schon einen Stadtpark, wenn man einen Friedhof hat?

Die Kopenhagener sind stolz auf ihren Friedhof, auf dem so illustre Persönlichkeiten wie Sören Kierkegaard und Hans Christian Andersen begraben liegen. Diese ziehen Touristen aus aller Welt an und so chllen hier jugendliche Touristentruppen auf dem Rasen und picknicken, während Jogger hier ihre morgendliche Runde drehen. Wer braucht da schon einen Stadtpark?

Das Grab von Kierkegaard.

Das Grab von Kierkegaard.

7. Voll freundlich, die Dänen!

Vielleicht liegt’s daran, dass die Stadt so klein und gemütlich ist – die Kopenhagener sind jedenfalls ein ziemlich freundlich-entspanntes Volk. Das merkt man zum Beispiel auf eine Busfahrt, wenn man nicht genug Münzen für die Karte dabei hat: „Setz dich hin und wenn ein Kontrolleur kommt, schick ihn zu mir.“ Tak!

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8. Ach Mist, die haben hier auch Pfand!

Klar bin ich für Nachhaltigkeit und finde das ökologische Bewusstsein der Dänen echt top! Trotzdem, mal Hand aufs Herz, wer freut sich bitte nicht im Italienurlaub darüber, Pfandflaschen getrost auf der Straße entsorgen zu können und im Supermarkt Gratis-Plastiktüten hinterhergeschmissen zu bekommen? Eben.

Auch in Kopenhagen wird man vom Pfand genervt

Auch in Kopenhagen wird man vom Pfand genervt

9. Who cares about Dom?

Wer einmal in dem wunderschönen (und kultivierten!!!) Freizeitpark mitten in der Stadt war, will nie wieder auf den Hamburger Dom. Und auch Kopenhagen denkt sich so: „Wir haben Tivoli, und was habt ihr?!“

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Tivoli bei Nacht.