Der Geruch von Lavendel und Olivenbäumen, die weite Landschaft mit romantischen Hügeln, rosafarbene Häuser mit traumhaften Gärten… In der Provence erinnert alles ein bisschen an ein Gemälde von Van Gogh. So traumhaft schön und unberührt, als wäre hier die Zeit einfach stehen geblieben. Vielleicht kann man in Südfrankreich deshalb so schön in den Tag leben.

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Vier Tage lang sind meine Freundin Becksi und ich durch die Provence gefahren, haben jeden Morgen aufs Neue spontan entschieden, wo es heute hingehen sollte, ein bisschen Sightseeing gemacht und immer dort angehalten, wo es uns am schönsten schien. Mit dem Ergebnis, dass sich unser Urlaub, der eigentlich nur vier Tage lang war, sich viel, viel länger anfühlte und ich erholt, wie schon lange nicht mehr bin.

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Meistens macht man ja doch auch im Urlaub irgendwelche Pläne. Da gibt es Uhrzeiten, zu denen man im Hotel beim Frühstück sein muss, diesen einen bestimmten Strand, den man angeblich auf keinen Fall aussparen darf, und den Tauchkurs, von dem man zu Hause zwar immer geträumt und ihn sich so schön vorgestellt hat – jetzt bei näherem Nachdenken aber eigentlich überhaupt gar keine Lust mehr darauf hat. Das raubt einem die ganze Erholung und ist dazu auch noch komplett unnötig. Wen soll man es im Urlaub denn schon recht machen, wenn nicht sich selbst? 

Planlos durch das Leben zu stolpern, ist im Alltag vielleicht nicht immer so empfehlenswert, aber im Urlaub so ziemlich das Beste was man tun kann.

In der Provence braucht man ohnehin keine großen Pläne. Wenn man sich auf einer der kurvigen Landstraßen verfährt, weil man wieder mal die verkehrte Ausfahrt im Kreisverkehr genommen hat, fährt man halt über die Parallelstraße – und entdeckt so zufällig ein anderes verzaubertes Örtchen, das man zwar ursprünglich gar nicht auf dem Zettel hatte, es dann aber als Geheimtipp in irgendeinem Reiseführer findet. Insofern ist es super, dass ich die schlechteste Beifahrerin der Welt bin, wir uns jeden Tag aufs Neue ein bisschen verfahren haben und so mal per Zufall, mal dank Google, auf die schönsten Orte und Sehenswürdigkeiten gestoßen sind.

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Tag 1: Nizza und „Parc de la Colline du Château“

Am ersten Tag ging es nach Nizza zum Strand. Den hatten Becksi und ich uns ein bisschen weniger steinig vorgestellt deshalb sind wir dann, nach zwei Stunden, die wir wie zwei Fakire verkrampft und uns gegenseitig versichernd, es sei doch gar nicht „soooo unbequem“ , auf dem Boden lagen, irgendwann resignierend zurück zum Auto gewandert…. und dabei zufällig auf den ‚Parc de la Colline du Château‘ gestoßen. Wenn man die 90 Meter beziehungsweise 220 Stunden hochgekraxelt ist, hat man sich nicht nur das Dessert am Abend mehr als verdient, sondern auch noch einen fantastischen Ausblick auf den Hafen, inklusive Gartenanlagen mit Wasserfall direkt vor der Nase.

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Tag 2: Matisses „Chapelle du Rosaire“ und Cap d’Ail / Plage Mala

Wenn man wie wir sein Feriendomizil in Vence hat, fällt es relativ schwer, dabei nicht irgendwann auf Matisses „Chapelle du Rosaire“ aufmerksam zu werden. Die kleine, weiße Kapelle liegt prominent auf einem Hügel gegenüber der Stadt und spielt dort so gekonnt mit den Farben des Himmels und den Gärten im Hintergrund, dass sie außer uns auch einen ganzen Bus voller wissbegieriger, asiatischer Hobby-Fotografen anlockte. Die sich – anders als Becksi und ich – vorab natürlich über die Öffnungszeiten informiert hatten – und uns beruhigen konnten, dass die Kapelle auch am Freitag geöffnet hat, wir nur etwas zu früh dran seien.

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Nach so viel Kultur am Morgen mussten wir uns erst mal mit Brioche und Kaffee (unser französiches Morgenritual) stärken und an den Strand fahren. Kleine Randnotiz: Am Plage Mala gibt es Sand statt Steine, dafür kostet der Kaffee so viel wie ein mittelguter Gin in Hamburg. Danach ging es weiter nach Monaco, und wie es der Zufall so wollte, mochte unser Navi die Berge anscheinend nicht so und fiel spontan einfach aus. Mit dem Ergebnis, dass wir zwar etwas mehr Sprit verbrauchten, dafür aber einmal ganz Monaco aus unserem Leihwagen sehen konnten und erst so spät in der Altstadt waren, dass das Parken im Parkhaus schon umsonst war. Yeah.

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Tag 3: Grasse und Cannes

Am dritten Urlaubstag hatten Rebecca und ich spontan, verursacht durch ein bis fünf Gläser Wein zu viel am Vorabend, tatsächlich mal Lust uns zu bewegen. So hatten wir unsere Sportschuhe wenigstens nicht ganz umsonst eingepackt („Wir gehen jeden Morgen joggen“… „ach ne, lass doch lieber ’nen Croissant essen“) und nervten unsere Nachbarn mit morgendlichem Seilspringen zu billigem Mädchen-R&B à la Jason Derulo und T.I.. Danach fühlten wir uns nüchtern genug, um nach Grasse zu fahren. Der Weg nach Grasse führt über Weinberge und ziemlich enge, kurvige Straßen, sodass unser Navi wieder mal schlapp gemacht hat. So sind wir dann auf dem Weg auf das bezaubernde Tourettes-sur-Loup gestoßen, das mit seiner Eisenbahnbrücke, der alten Burg und den sandfarbenen Mauer und Steinen aussieht, wie eine mittelalterliche Festung.
In Grasse angekommen wollten wir eigentlich – ganz ortstypisch – Parfümerien und die Schauplätze aus Patrick Süskinds ‚Das Parfüm‘ bewundern, sind dann aber lieber frühstücken gegangen und ein bisschen durch die Altstadt gebummelt.

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Grasse hat uns mit seinen malerischen, kleinen Gassen und dem verwinkelten Stadtkern dabei so verwirrt, dass wir ungefähr zehn Mal am Rathaus mit seinem Innenhof und dem Springbrunnen vorbeikamen. Unsere 1-Cent-Stücke waren schon nach der ersten Runde aufgebraucht… Nachmittags ging es als weiter nach Cannes, den wunderschönen Strand genießen, Macarons bei LaDurée essen und Geld im Parkhaus verbrennen.  

 Tag 4: Beaulieu-sur-Mer

Eigentlich wollten wir ja noch nach Saint-Tropez – aber uneigentlich hat man doch am meisten vom Leben, wenn man das tut, wonach einem spontan ist. Und das war an unserem letzten Tag ganz sicher nicht, sich vier Stunden ins Auto zu setzen, deshalb fuhren wir morgens spontan nach Beaulieu-sur-Mer, einen wunderschönen, kleinen Ort, mit einer versteckten Bucht und einem Jachthafen, den mir meine Freundin Lauri bei unserem letzten Cannes-Urlaub vor ein paar Jahren gezeigt hat.

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Wenn man so faul am Strand in Beaulieu liegt und die Kulisse aus Bergen, Bucht und Meer auf sich wirken lässt, kann man gar nicht anders, als sich über das Leben, dieses traumhafte Land mit der melodischen Sprache, französisches Diner mit Muscheln, Roséwein und ‚Brioche aux pommes caramlélisées‘ zu freuen.

Das alles ist so zeitlos schön, dass man auch ohne Plan nichts falsch machen kann. 

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