Eigentlich wollte ich dieses Jahr meinen ersten Marathon laufen. Deshalb hatte ich mich letztes Jahr im Herbst gemeinsam mit meinem Laufkumpel Markus (mit dem Rudi und ich morgens um die Alster joggen) etwas überambitioniert zum Haspa Marathon angemeldet. Keine gute Idee, wie mir Ende des Winters bewusst wurde, weil mich mein Immunsystem wieder mal von Dezember bis Februar gepflegt in Stich gelassen hatte und ich so gut wie gar nicht trainieren hatte können. So ganz auf den Lauf verzichten wollte ich aber nicht, deshalb schrieb ich die Veranstalter des Haspa Marathons an und siehe da: Kulanterweise boten sie mir an, meine Anmeldung zu stornieren und den Betrag zu erstatten. Alternativ könnte ich ja beim Women’s Race teilnehmen, bei dem die Marathonstrecke einfach durch zwei geteilt wird. Beide Teilnehmerinnen laufen ungefähr gleich lange Strecken und übergeben sich am Wechselpunkt ein Messgerät für die Zeiterfassung. Über Facebook fand ich dann auch ganz schnell eine Mitstreiterin, Tina, die früher zufällig auch auf meiner Schule war. Perfekt! Ich wollte die erste Strecke übernehmen und Markus, der nach wie vor Marathon laufen wollte (und es auch getan hat, yeah!), Gesellschaft leisten. So richtige Ambitionen an die Zeit hatte ich deshalb nicht. Dabei sein und Spaß haben. Hat überwiegend auch geklappt, obwohl ich zwischendurch leichte Anfälle von Hypochondrie, einen halben Kälteschock und Zweifel an meinem Verstand („Warum mache ich das bei 3° Grad?!“) hatte. Aber nun der Reihe nach:

Der Abend / die Nacht vorm Wettkampf

22.00: Gleich gehe ich ins Bett. Ganz sicher, sonst bin ich morgen nicht fit. Wann muss ich aufstehen? Spätestens um halb 7, sonst kriege ich die Bahn nicht. Rudi muss ja auch noch raus. Ganz kurz noch auf der Couch chillen.

23.50 Uhr: Mist.

0.10: Okay. Jetzt echt.

1.15: War klar, dass ich jetzt nicht einschlafen kann. Wie lange kann ich jetzt noch pennen? 5 Stunden, 6? Na toll.

1:30: Halb 7 aufstehen. Auf ’nem Sonntag. Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht? Völlig idiotische Idee.

7:15: Aufstehen oder liegen bleiben? Die Bahn, die Markus nehmen wollte, kriege ich so eh nicht mehr. Ist doch immer dasselbe. Solche Läufe stressen am Ende doch nur. Ich mache so was nur noch für mich allein. Ich kann auch einfach drei Mal um die Alster laufen und schon habe ich meinen Halbmarathon.

Die Stunden vor dem Wettkampf

8.12: Okay, wenigstens habe ich die Bahn bekommen. Und es ist sogar die richtige. Jetzt darf ich die Anderen beim Umsteigen nur nicht verlieren.

8.30: Wo bitte ist Markus. (Blick auf seine iMessage: „Ich warte bei l“). Ist das jetzt ein „I“ oder ein „L“?“

8.35: Bei I ist er nicht. Dann wohl doch L.

8.40: „Entschuldigung, du hast da hinten ein „I“ auf deiner Startnummer stehen. Du bist ganz falsch eingeordnet.“

8.50: „Hey Markus!“

9.00: Es geht los.

9.05: Nicht für uns.

9.10: Immer noch nicht.

9.15: Jetzt aber.

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Die Ruhe vor dem Sturm. Und Regen. Und Hagel.

Der Lauf

Km 1-5: Igitt, es hagelt. Kann das mal aufhören? Meine Finger sind eiskalt und knallrot, meine Nase schnieft und in meinem Kopf tauchen Horrorvisionen auf, von Läufern die trotz Erkältung bei Wettkämpfen mitmachen, die Signale ihres Körpers ignoriere und plötzlich am Straßenrand aufwachen… Das ist doch aber kein echter Schnupfen, oder? „Markus, meinst du eigentlich, dass man es merkt, bevor man umkippt, beim Laufen?“ -Nö. „Echt nicht?“ -Nö.

Okay. Dann langsamer.

Km 6-8: Juhu, da hinten ist sie, die Kurve, in der wir wenden. Es geht zurück! Immer noch schön langsam. Allmählich macht das Laufen wieder Spaß. Könnte daran liegen, dass der Regen sich verzogen hat. „Du hast gleich das erste Siebtel geschafft, Markus!“ Schweigen.

Km 9-14: Hier bin ich schon so oft lang gelaufen. Zum Kiez, Richtung Beachclubs. Hier zu laufen bringt echt Spaß, da weiß man, was einen erwartet. Da vorbei an meiner Arbeit und schon sind wir im alten  Wallringtunnel. Igitt, was mache ich eigentlich wenn mir darin schlecht wird? Mit gehangen, mit gefangen und so…

Km 16: Wieder am Tageslicht, yeah. Obwohl, richtig hell ist es nicht. Halt typischer Hamburger Nieselregen. Egal, merke ich wenigstens nicht, wie sehr mein T-Shirt schon durchgeschwitzt ist.

Km 16-19: Ich lieeeebe die Alster. Meine Lieblingslaufstrecke in Hamburg. Irgendwie komisch, hier heute mit so vielen Menschen zusammen zu laufen. Als wären wir alle auf der Flucht, nur das halt freiwillig.

Km 20: Gleich ist der Wechsel. „Ciao Markus, meine Hüfte tut weh, ich mach ’nen Schritt langsamer.“

Km 21,3: Halbmarathon! Mein vierter! Was sagt mein Tracker. Oh. Dabei sein ist alles und so.

Km 21,8: Wo ist bitte dieser verdammte Wechselpunkt?!

…und dann kam meine „Women’s Race“-Mitstreiterin und hat mich erlöst! (An dieser Stelle: Sorry, Tina, dass der Wechsel mit mir so unfassbar lange gedauert hat. Verpeilt wie ich bin, wusste ich nicht, mit welcher Startnummer ich da gerade überhaupt gelaufen bin und habe so nicht gewusst, wo der richtige Block ist…)

Mein Fazit nach dem Women’s Race:

Ich gebe es zu: Nur begeistert war ich auf den knapp 22 Kilometern nicht. Das lag vor allem an dem wirklich miserablen Wetter. Von Regen über Hagel bis zum Sonnenschein war alles dabei. Mir taten zeitweise die Finger vor Kälte weh, meine Jacke war komplett durchnässt und so richtig gut lief es sich auf nassem Asphalt auch nicht. Respekt vor all den Leuten, die das sogar 42,2 Kilometer ertragen haben. Ich bin bei meinem Halbmarathon mit 2.10 Stunden keine neue Bestzeit gelaufen, hatte dies aber auch nicht vor. Ich bin Hobbyläuferin und wollte am Wettkampftag vor allem meinen Running Buddy unterstützen und mit meiner Women’s Race-Partnerin Spaß haben. Und es hat sich gelohnt: Mir tat danach zwar dir Hüfte noch ein bisschen weh, die Nase triefte und zu allem Überfluss habe ich auch die Bahnstation am Wechselpunkt nicht gefunden (#typicalme), sodass ich die letzten 4 Kilometer zu mir nach Hause auch noch zurücklaufen musste – aber, ich freue mich jetzt schon auf mein nächstes Rennen!

Ich geb's ja zu: Das Essen danach hat mir mehr Spaß gebracht als der Lauf. Lag aber auch am Wetter.

Ich geb’s ja zu: Das Essen danach hat mir mehr Spaß gebracht als der Lauf. Lag aber auch am Wetter.